Bestattung in Ghana: Trauerfeiern bunter als der Karneval

Ghana

Laute Musik, Tanz, fröhliche Gesichter und kunstvolle Särge in sämtlichen Farben und Formen: in Ghana ist die Bestattung ein lautes wie farbenfrohes Happening. Und auch darüber hinaus ist die Zeremonie in dem westafrikanischen Land nicht das, was wir hierzulande kennen. Warum feiern die Ghanaer die Beerdigung so bunt und ausgelassen?

Mit Pauken und Trompeten

Sieben tanzende Männer und ein Sarg. Ein Bild, das für europäische Standards augenscheinlich nicht ganz zusammenpasst. Gemeint ist das Video zu „Ghana’s dancing pallbearers“. Ein viraler Hit, der seit Wochen um die Welt geht und mittlerweile Kultstatus erreicht hat. In der bekannten Version ist das Video mit dem elektronischen Song „Astronomia“ hinterlegt. In Wirklichkeit tanzen die Sargträger zu nicht weniger energetischer Begleitung, allerdings mit traditioneller Live-Musik, die dem „Trauerzug“ folgen. Von Trauer im uns bekannten Sinne kann auf ghanaischen Beerdigungen kaum die Rede sein. Das irdische Ableben wird als mehrtägiges Fest zelebriert. Mit leuchtenden Farben, lauter Musik und zahlreichen Gästen verabschieden die Afrikaner ihre Toten aus dem irdischen und übersenden sie zugleich ins nächste Leben. Der Ursprung des Videos liegt bereits im Jahr 2017 und stammt aus einer Reportage des BBC.

Nicht nur Handwerk sondern Kunst

Doch nicht nur die Sargträger sind auffällig, die Särge selbst stehen ihnen in nichts nach. In Ghana gilt es als Kunst die Särge zu gestalten und das nicht ohne Grund. Ein Fischer wird in einem Sarg in Form eines Fisches begraben, ein Schuster findet seine letzte Ruhe in einem überdimensionalen Schuh. Und auch riesige Früchte oder ein Teekessel – in Größe eines Kleinwagens – können als letzte Ruhestätte dienen. Es sind individuell gestaltete Kunstwerke, die Beruf und Persönlichkeit der Verstorbenen widerspiegeln.

Jacob Tetteh Ashong, Sohn des bekanntesten ghanaischen Sargkünstlers Paa Joe erklärt gegenüber WELT:

„Dein Beruf bestimmt, welchen Sarg du haben wirst. Als Taxifahrer bekommst du ein Auto, als Lehrer ein Buch, als Fischer einen Fisch. Die Särge sollen die Verstorbenen in die Lage versetzen, auch im Jenseits ihrem Beruf nachzugehen.“

Die Fertigung, die zwischen einem und drei Monaten dauern kann, ist höchst aufwendig. Selbst Kunstsammler und internationale Museen sind interessiert an den Unikaten.

Tradition und Wetteifer

Die Fotografin Ana Palacios begleitete die Feierlichkeiten einer ghanaischen Beerdigung im Jahr 2014 mit ihrer Kamera. Die „Feste“ erstrecken sich in Ghana traditionell über mindestens drei Tage. Vor dem Abend des Begräbnis – üblicherweise einem Freitag – findet die Totenwache statt. Die Toten werden hierzu in eleganter Kleidung aufgebahrt. Am Folgetag starten die Feierlichkeiten zunächst besinnlich. Ausschließlich die Angehörigen finden sich ein, um persönlich Abschied zu nehmen sowie den Sarg zu schließen. In Anwesenheit aller Gäste wird der Sarg dann, oft tänzerisch begleitet, zu Grabe getragen. Eine Zeremonie, bei der trotz aller Fröhlichkeit getrauert wird. Am dritten, jedoch oft nicht letzten Tag der Feierlichkeiten, veranstaltet die Familie einen Gottesdienst. Der religiöse Abschied des Verstorbenen. Wie Palacios dokumentierte, sind Beerdigungen durchaus auch ein Statussymbol. An Familien ist die Erwartung gerichtet, ein opulentes Fest zu veranstalten und die Toten zu ehern.

Teurer Tod

“Wir investieren in die Toten anstatt zu leben.” Eine Kontroverse, die Ghanas Gesundheitsminister, Alban Bagbin laut Spiegel schon vor Jahren kritisierte. Auch Kirchenvertreter und Politiker mahnen zur Besonnenheit. Totenwache, Bestattung und Gottesdienst kosten zusammen gut und gerne oft bis zu 15.000 Euro. Auch das bewerben der Trauerfeier über Radio und Plakate ist keine Seltenheit. Damit die – oft ärmlichen Familien – Zeit für die Organisation der Beisetzung gewinnen, frieren sie ihre Toten oft über Monate oder gar Jahre ein. Gegen eine Gebühr von täglich etwa 3,80 Euro. Keine unbedeutende Summe, bei einem Durchschnittseinkommen von rund 120€ im Monat. Auch Ana Palacios beobachtete:

“Die Ausgaben haben schon Tausende Familien im Land in den Bankrott geführt.”

Für Menschen, die die Vorstellung antreibt, in die Ewigkeit eines geliebten Angehörigen zu investieren, ist dies jedoch möglicherweise ein verständliches Opfer.

Titelbild: ©fotosmile777/stock.adobe.com

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