„Ich weiß nicht, ob man die Bestattungsbranche mit Amazon und Netflix vergleichen will oder kann.“

Mymoria Geschäftsführer Björn Wolff im Interview
Mymoria

Die Digitalisierung macht vor keinem Lebensbereich halt. Auch nicht vor dem, was nach dem Leben kommt. Denn die Kundengewohnheiten haben sich in den vergangen Jahren extrem geändert. „On Demand“, „unkompliziert“ und „customer-centric“ sind die Schlagwörter der Stunde. Mittlerweile haben sich diese Ideen auch in der Bestattungsbranche festgesetzt: Das Berliner Unternehmen Mymoria bietet seinen Kunden unter mymoria.de die volldigitale Bestattungsplanung und –Vorsorge. Wir haben mit Geschäftsführer Björn Wolff über sein Unternehmen, die Bestattungsbranche und zukünftige Entwicklungen gesprochen.

Redaktion: Herr Wolff, mit Ihrem Unternehmen Mymoria sind sie ein volldigitaler Bestattungsdienstleister. War das aus Ihrer Sicht der logische Entwicklungsschritt für die Bestattungsbranche in Zeiten von Amazon, Netflix und Co?

Björn Wolff: Also, ich weiß nicht, ob man die Bestattungsbranche mit Amazon und Netflix vergleichen will oder kann. Aber die Grundlage ist die gleiche. Nämlich auf die veränderten Kundenbedürfnisse zu einzugehen, da der Kunde einen Markt immer mit formt. In Bezug auf das Prinzip von Netflix ist es ja eben so, dass die Leute sich heutzutage nicht mehr zu einer gewissen Uhrzeit vor den Fernseher setzen, um ihre Lieblingssendung zu sehen. Sondern sie schauen sie an, wenn sie Zeit und Lust haben. Eine solche Änderung des Kundenbedürfnisses lässt sich auch auf den Bestattungsmarkt übertragen.

Vor allem die Entwicklungen der letzten 20 Jahre liefern hierfür die Gründe. Zum einen ist die Gesellschaft preismündiger geworden, insbesondere aufgrund von Zuzahlungen der Krankenversicherungen, welche seit 2004 nicht mehr ausgegeben werden. Außerdem spielen der Wandel zur Mobilität und die abnehmende Religiosität ebenfalls eine Rolle. All diese Faktoren machen eine Weiterentwicklung der Bestattungsbranche unumgänglich, um die jeweiligen Kundenbedürfnisse bedienen zu können.

Redaktion: Ist die digitale Bestattungsplanung, wie Sie sie anbieten, eine Möglichkeit den Umgang mit dem Thema Tod und Sterben zu normalisieren?

Björn Wolff: Ich hoffe es. Seitdem wir in der Branche tätig sind, bemühen wir uns ganz offen und ehrlich mit dem Tod umzugehen, um dieses Thema aus der Tabu-Ecke zu holen, in welcher es sich immer noch befindet. Alle unsere Mitarbeiter sind auch dazu angehalten, es so zu handhaben, und sie sind auch alle mit Herzblut dabei. Die digitale Bestattungsplanung kann hierfür durchaus als Werkzeug dienen. Denn wenn wir dem Kunden die Möglichkeit geben, jederzeit und überall unseren Service zu nutzen, setzt er sich automatisch mit dem Thema Tod auseinander. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um einen akuten Trauerfall handelt oder zur reinen Vorsorge.

Redaktion: Können Sie über einen Online Shop die Individualität der zu bestattenden Person abbilden?

Björn Wolff: Ich glaube, die Individualität kann mittlerweile online genauso gut, wenn nicht sogar besser, berücksichtigt werden als in einem klassischen Bestattungsinstitut. Das kann man mit dem Wandel in anderen Branchen durchaus vergleichen, wie beispielsweise beim Autokauf.

„Die individuelle Online-Konfiguration eines Autos war vor ein paar Jahren auch noch unvorstellbar, ist aber mittlerweile Realität und die gängige Methode.“

Im Bestattungsbereich ist es das Gleiche, da das Individuelle immer miteinbezogen wird. Einer unserer Bestatter kontaktiert die Hinterbliebenen und bespricht persönliche Dinge, die vielleicht nicht beim ersten Mal digital geklärt wurden. Eine Bestattung besteht immer aus den selben Bausteinen, welche man sehr gut standardisieren kann. Dadurch gibt man dem Kunden die Gelegenheit, dies autark von Zuhause aus zu erledigen. Eine mangelnde Individualität lässt sich auch vor allem im Hinblick auf die Produkte nicht erkennen, da eine solch breite Produktpalette, wie wir sie im digitalen Umfeld ermöglichen, kein klassisches Bestattungsinstitut bieten kann.

Redaktion: Mal etwas persönlicher gefragt: Würden Sie Ihre eigene Bestattung bei Mymoria buchen? Oder die eines nahen Angehörigen?

Björn Wolff: Ich würde es nur über Mymoria buchen. Denn nach all den Jahren in denen wir nun schon tätig sind, haben wir den besten Service und das zu einem sehr kompetitiven Preis. Ich rate jedem, auch meiner Familie und Freunden über uns zu buchen, obwohl auch viele von ihnen schon selber die Vorteile unseres Konzepts erkennen und von sich aus auf uns zu kommen.

Redaktion: Eine kleine Zukunftsprognose: Wird es analoge Bestatter in zehn Jahren noch geben?

Björn Wolff: Auf jeden Fall. Es wird zwar große Veränderungen in der Branche geben, aber der Bestatter vor Ort wird in jedem Fall bleiben. In unserer Branche, die sich was Weiterentwicklungen angeht etwas langsam bewegt, wird dies jedoch eine Weile dauern. Ich denke, dass sich die Bestattungshäuser einem großen Wandel unterziehen müssen und werden.

„Das düstere Erscheinungsbild, das viele Bestattungshäuser abgeben und das die meisten auch im Kopf haben, ist in meinen Augen überholt und bedarf einer Aufbesserung.“

Und zwar, indem sie das Thema Tod anders behandeln und den persönlichen Kontakt in den Vordergrund stellen. Außerdem wird es unerlässlich sein, ein digitales Angebot anzubieten und ein gemischtes Konzept aus der persönlichen Beratung und der Möglichkeit der Online-Buchung zu präsentieren.

Redaktion: Herr Wolff, vielen Dank für diese spannenden Einblicke!

Björn Wolff: Sehr gerne, jederzeit wieder!

Titelbild: Björn Wolff ©mymoria

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