Tod und Sterben in der Popkultur: „The Show Must Go On“

Popkultur und das Thema Tod
Popkultur

Stephanie Seymour, damalige Freundin von Axl Rose, stirbt 1992 im Musikvideo zur Guns’n’Roses Powerballade November Rain. Niemand weiß genau, wieso. Bis heute. Aber da die Band im Frühjahr 2020 wieder auf große Tour geht, rückt dieses Exempel ins popkulturelle Bewusstsein. Doch es ist nur eines von vielen Beispielen, in denen der Tod eine wichtige Rolle in der Popkultur spielt. Denn für eine Gruppe von Menschen, die von Unsterblichkeit besessen zu sein scheinen, singen Popstars oft und gern über den Tod.

Da ist mächtig Musik drinnen

Logisch, immerhin gibt das Thema viel her. Von der gefühlvollen Trauerballade bis hin zur kultigen Glorifizierung des Sensenmanns. Die Popkultur und das Jenseits bildeten stets eine sehr produktive Symbiose. Hier kommt eine Liste der schönsten, schaurigsten und schrägsten Songs über das Ende, das Abgeben des Löffels, das ins Gras Beißen und die Kurve Kratzen.

Jimi Hendrix, „Hey Joe“

Sicherlich ein kontroverses Stück in der Interpretation der Rock-Legende Hendrix. Ein Mann erschießt seine untreue Herzdame, steht aber immerhin dazu. Und gibt zu: „Yes, I did, I shot her!“ Hendrix schien die besungene Tat aber weitestgehend kalt zu lassen. Er hielt sich nicht mit einer moralischen Bewertung auf, sondern widmete sich lieber einem rotzigen Gitarren-Solo.

The Notorious B.I.G., “Ready to die”

Im Titel-Track seines 1994er Debütalbums schlägt Biggie extreme Töne an. Er zeichnet das düstere Bild eines 22-Jährigen Gangsters ohne Gewissen. Worte, die einem eiskalte Schauer über den Rücken jagen. „I’m ready to die and nobody can save me“ – die Textzeile offenbart neben aller OG-Attitüde aber auch eine reflektierende Ebene, die der heutigen Rap-Musik gut zu Gesicht stehen würde.

Blue Oyster Cult, “(Don’t Fear) the Reaper”

Dem Sensenmann etwas Positives abzugewinnen, das versuchten Blue Oyster Cult. Denn der Tod ist zwar unausweichlich, dafür aber auch zu erwarten. Ob das Lebensende einem weniger Sorgen mit einem prächtigen Schnauzbart trägt, wie ihn die Jungs von BOC in den 70ern rockten? Das bleibt wohl ihr Geheimnis. Cowbell ab!

Bob Marley, “I Shot the Sheriff”

Auch im sonnigen Jamaica spielte der Tod eine musikalische Rolle. Spannend ist die juristische Komponente dieses Falls. Denn dem Protagonisten des Reggae Klassikers wird zur Last gelegt, einen Hilfssheriff erschossen zu haben. Was dieser vehement bestreitet, schließlich habe er nur Sheriff Brown erschossen. Vielleicht nicht die beste aller Verteidigungsstrategien. Ob er mit seinem Notwehr-Plädoyer davon kam, ist wiederum nicht überliefert.

Kanye West, “Coldest Winter”

Oft verarbeiten Musiker in ihrer Kunst Schicksalsschläge. So auch Yeezy, der, bevor er zu Yeezy wurde, die Trennung von seiner Verlobten und den Tod seiner Mutter in 2007 künstlerisch auf seinem Album 808s & Heartbreak festhielt. Da der Schmerz für ihn zu groß war, um bloß zu rappen oder zu singen, kreierte er kurzerhand sein eigenes Genre. Und verlieh seinen Emotionen als trauriger Auto-Tune-Roboter Ausdruck.

Juliane Werding, „Am Tag als Conny Kramer starb“

Weil ein deutscher Song noch auf dieser Liste fehlt. Und weil es die damals Fünfzehnjährige Juliane Werding schafft, diese thematisch schwere Kost mit der wunderbar folkigen Melodie von „The Night They Drove Old Dixie Down“ zu verschmelzen, als wäre sie sie eigens dafür geschrieben worden.

The Smiths, “There Is a Light That Never Goes Out”

Auch etwas morbid, aber deutlich positiver kommt dieser Song daher. Laut dem Musikmagazin NME immerhin 12. Bester Song aller Zeiten. Angelehnt an James Deans „…denn sie wissen nicht, was sie tun“ entflieht der Erzähler Morrisey einem furchtbaren Zuhause. Und zwar auf dem Beifahrersitz seiner großen Liebe. Mit der gemeinsam er lieber mit einem Doppeldecker Bus oder einem Zehn-Tonner kollidieren und sterben würde, als wieder heimzukehren. Romantisch. Irgendwie.

Queen, “The Show Must Go On”

Dass auch Sterbende noch große Kunst schaffen können, zeigte Farrokh Bulsara, besser bekannt unter seinem Künstlernamen: Freddie Mercury. Eigentlich hätte Queens Gitarrist Brian May den Song singen sollen, da Mercurys Gesundheitszustand bereits extrem schlecht war. Aber nichts da. Im Januar 1992 sagte der Ausnahmesänger, der laut May, kaum noch stehen konnte, plötzlich: „I’ll fucking do it, darling“, kippte einen Vodka, ging in die Kabine und zog die Aufnahme in nur einem Take durch. Lassen wir das einfach mal so stehen.

Wer sich jetzt beschwert und sagt, die Liste sei unvollständig, der hat natürlich vollkommen recht. Aber die Popkultur ist so reich an Beispielen, dass wir nur einige wenige zeigen konnten. Welcher Song fehlt aus Eurer Sicht? Lasst uns gerne einen Kommentar mit Euren Favoriten da.

Titelbild: ©PR Image Factory/stock.adobe.com

1 Kommentar

Hinterlassen Sie eine Antwort

Bitte tragen Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein