Friedhofsnutzung: Rocken in Hollywood, Joggen in Wien

Friedhofsnutzung
Friedhofsnutzung

Gnerade auf Stadtplänen der Großstädte nehmen Friedhöfe oft eine große Grünfläche im Zentrum der Stadt ein. Eine einheitliche Regelung zur freizeitlichen Friedhofsnutzung gibt es nicht. Längst ist deshalb ein Konflikt um diese entbrannt. Jogger, Familien und Anwohner beanspruchen die teils riesigen Parkanlagen. Friedhofswächter kritisieren einen Mangel an Respekt. Was ist erlaubt? Was nicht? Und wie sieht es international aus?

Clash of Culture

Für viele Deutsche sind Friedhöfe ausschließlich zwei Dinge: Eine Ruhestätte für Verstorbene und eine Gedenkstätte für Hinterbliebene. Vielerorts gelten deshalb auch besondere gesetzliche Schutzbestimmungen. Dennoch lockern viele Friedhöfe mittlerweile ihre Satzungen. So macht der Soziologe Thorsten Benkel die Beobachtung, dass immer mehr Friedhöfe Sportgeräte und Spielplätze errichten. Besonders für Familien werden sie dadurch zu einem attraktiven Ausflugsort. Eine bundesweit einheitliche Regelung gibt es allerdings nicht. Während die Stadt München Sport auf einigen Friedhöfen komplett untersagt, sind die Bestimmungen andernorts entspannter. Beispielsweise in Berlin, der Alte St.-Matthäus-Kirchhof oder der Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg.

Österreich macht’s vor

Der Wiener Zentralfriedhof gilt als Sehenswürdigkeit. Und ist ein Trendsetter unter den europäischen Friedhöfen. Als zweitgrößter Friedhof Europas sind hier unter anderem Führungen mit Audioguide möglich. Zudem finden klassische Open Air Konzerte statt. Außerdem richtete die Verwaltung 2019 eigens für Jogger beschildere Laufrouten ein. Auch das Joggen auf dem restlichen Gelände ist gestattet.

Rock-Konzerte auf dem Friedhof?

Der Sprung über den großen Teich zeigt: Das ist noch gar nichts. Denn in Hollywood ist der lockere Umgang mit den Ruhestätten schon gang und gäbe. Die Website des Los Angeles Hollywood Forever Cemetery bietet Besuchern die Option zwischen „Begräbnis“ und „Event“ zu wählen. Der Eventkalender für diese „Fans“ beinhaltet jährlich mehrere Großveranstaltungen. Hier können Musikfans Karten für Konzerte oder Cineasten Tickets für Filmvorführungen erwerben. Die Begräbnisstätte besitzt zudem einen eigenen Instagramaccount, welcher über 36.000 Follower zählt. Reiseführer werben mit dem Friedhof sogar als „Insider Tipp.

 

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#sunset #hollywoodforever #hollywoodforevercemetery 06.29.2019

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Trauer durch Technik

Ist L.A. also ein in Vorbild für die Friedhofsnutzung in Deutschland? Eher nicht. Aber die Wahrnehmung der Friedhöfe scheint sich auch bei uns zu Lande zu ändern. Das machen die verschiedenen Angebote deutlich. Ein respektvoller Umgang mit Friedhöfen sollte aber bei jeder Nutzung selbstverständlich sein. Egal ob als Jogger, Familie oder Trauerzug. Auch digital ändert sich einiges in Sachen Trauerkultur: Während in Deutschland Trauernde virtuelle Gräber gestalten können, bietet der Hollywood Forever Cemetery bereits Livestreams zur Beerdigung an. So können auch Hinterbliebene Anteil haben, die nicht vor Ort sind.

Titelbild: ©StratfordProductions / stock.adobe.com

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