Nachruf auf Prinz Philip: Der Fels in der Brandung

Prinz Philip
Prinz Philip und Queen Elisabeth II

F ast hätte er die 100 Jahre geknackt. Am 10. Juni würde Prinz Philip, der Herzog von Edingburgh und Gatte von Queen Elisabeth II., runden Geburtstag feiern. Am 9. April 2021 ist der Prinz im Alter von 99 Jahren und 73 davon als Ehemann gestorben. Mit ihm ist ein Mann gestorben, der sich bis ins hohe Alter engagiert hatte für Demokratie und Freiheit. Die Beisetzung ist am Samstag, 17. April, in der St. George’s Chapel auf dem Gelände von Schloss Windsor. Auf eigenen Wunsch fällt diese schlichter aus als es sonst für Mitglieder des Königshauses die Regel ist.

Die Briten trauern um Prinz Philip

Prinz Philip gehört zum britischen Stolz und Selbstverständnis dazu wie Tea und Scones, wie British Politness und rainy Sundays. Dabei war Prinz Philip gar kein Engländer. Geboren in Griechenland in der dortigen Königsfamilie mit deutschen und dänischen Wurzeln, musste er mit seinen Eltern ins Exil, als er noch ein Kleinkind war. Nach England kam der junge Prinz eher aus einem traurigen Grund: Weil sein Vater sich nicht weiter um ihn kümmern wollte, wuchs er bei Verwandten in England auf. Prinz Philip, weder Grieche noch Deutscher, verbrachte die prägenden Jahre als Teenager auf einem strengen Internat in Schottland. Erst durch seinen Dienst in der britischen Navy im zweiten Weltkrieg wurde aus dem einst Heimatlosen ein Brite.

73 Jahre Ehe mit Queen Elisabeth II

Seine Ehe mit Queen Elisabeth II. hat er sozusagen seinem Onkel, Lord Mountbatten, zu verdanken. Er förderte die Verbindung, die schließlich in einer Liebesheirat Ende der 1940er Jahre gipftelte. Eine Verbindung, die royale Familienmitglieder über die Jahre immer wieder gelobt haben. So auch Prinz Harry, der anlässlich des Todes seines Großvaters auf der Website ein Statement veröffentlichte. “He has been a rock for Her Majesty The Queen”, lobte er die Ehe seiner Großeltern. Und auch zu seinen Urenkeln hatte er eine enge Bindung, wie dem Instagram Post von seinem Enkel Prinz William zu entnehmen ist.

 

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Es war die Rolle seines Lebens: Prinz Philip als der Fels in der Brandung für seine Ehefrau. Der “consort” der Monarchin war für ihn neu – schließlich gab es zuvor nur Könige, nie eine Königin. Er gab seine Offizierskarriere auf und ordnete alles in seinem Leben der Königin unter. Zeitlebens bestand seine Aufgabe darin, den Ehepartner zu unterstützen, ihn in der Öffentlichkeit zu begleiten und vor allem nicht negativ aufzufallen.

In der Öffentlichkeit passierten Ausrutscher

Letzteres ist ihm aus Sicht der British Upperclass nicht immer gelungen. Im Gedächtnis geblieben sind vielen wohl Fauxpas wie die Rede, die er als Zeremonienmeister bei einer Eröffnung einer Ausstellung oder eines Neubaus gehalten hatte. “Ich erkläre das Ding für eröffnet – was immer es auch ist”. Um ein vielfaches einfühlsamer zeigte der 99-Jährige sich in anderen Momenten. Als er 1992 in Dresden – die Stadt, die britische Bomber 1945 größtenteils zerstörten – eine Ansprache auf Deutsch hielt. Als sensibel und nachdenklich beschreiben die Medien seinen Auftritt.

Engagement: Er widmete sein Leben der Krone

Auftritte wie diese zeigen, sein Leben, es war geprägt vom Dienst für die Krone. Einen Dienst, den er erst im hohen Alter von 96 Jahren quittierte und sich aus der Öffentlichkeit und von den offiziellen Pflichten als “royal” zurückzog. In seinem letzten Jahr vor der Rente hatte er noch an 110 Tagen offizielle Verpflichtungen wahrgenommen. Im August 2017 absolvierte er seinen letzten öffentlichen Auftritt und war Schirmherr, Präsident oder Mitglied von 780 Organisationen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier lobte sein Engagement, das er zeit seines Lebens zeigte:

“Wir Deutsche trauern um eine gewinnende Persönlichkeit, die einen wichtigen Beitrag zur Versöhnung unserer Nationen nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges geleistet hat.”

Als Angehöriger der Royal Navy habe der Prinz für die Befreiung Europas vom nationalsozialistischen Terror gekämpft. Zudem war er Förderer der Umweltorganisation WWF. Seit der Gründung der Organisation setzte er sich als Präsident des WWF International von 1981 bis 1996 für den Umwelt- und Naturschutz ein.

Beileidsbekundungen aus den Commonwealth

Ebenso bleibt besonders sein Einsatz für die Commonwealth Staaten in Erinnerung. So kondolierte der australische Premierminister Scott Morrison dem britischen Königshaus mit folgenden Worten: “Fast 80 Jahre lang hat Prinz Philip der Krone, seinem Land und dem Commonwealth gedient.” Der Verstorbene habe eine Generation verkörpert, “die es so nicht mehr geben wird”, schloss Morrison. Mehr als 20 Mal habe der 99-Jährige seinerzeit Australien besucht. Auch Neuseeland sendete Beileidsbekundungen. Es wird deutlich: Das Engagement, das der Prinz für den Commonwealth zeigte, bleibt einzigartig und hinterlässt eine Lücke, die es von seinen Nachkommen zu schließen gilt – offen bleibt, ob familiär oder auch wirtschaftlich. Eine Aufgabe, die Prinz William mit seiner Familie weitertragen möchte. So schrieb er: „Ich weiß, dass er gewollt hätte, dass wir mit der Arbeit weitermachen.“

Neben seinem Engagement bleibt er auch als Familienmensch in Erinnerung: für seine vier Kinder Prinz Charles, Prinz Edward, Prinzessin Anne und Prinz Andrew und seinen acht Enkelkindern – darunter Prinz William und Prinz Harry – sowie seiner Schar an Urenkeln. Prinz Harry erinnerte sich in seinem Statement an das Leben seines Großvaters mit folgenden Worten: als “Grandpa”, “master of the barbecue” und “cheeky right ‘til the end” – immer einen kessen Spruch auf den Lippen.

Titelbild: © Toby Melville/REUTERS

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