Ouija: Vom Gesellschaftsspiel zum Okkulten

Ouija-Board: Vom Gesellschaftsspiel zum Okkulten
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Im ersten Beitrag zum Thema Ouija-Brett haben wir die Entstehung und die Geschichte des Bretts unter die Lupe genommen. Nun geht es um die Einflüsse, die es auf die Kultur hatte – nicht nur die der Vereinigten Staaten, sondern weltweit.

Ouija als Inspiration

Mehrere Jahrzehnte lang etablierte sich das Ouija-Board als ein unschuldiges Spielzeug für alle Alters- und Berufsgruppen. Fulds Firma expandierte und spielte immer höhere Gewinne ein. Laut der Austin Séance gelangte das Ouija-Brett jedoch erst in den Mainstream, nachdem die Parker Brothers der Fuld Company die Rechte am Brett abkauften. Im Jahr 1967 schlug es in Sachen Verkaufszahlen sogar den Bestseller Monopoly. Bemerkenswert ist jedoch vor allem der kulturelle Fußabdruck, den das Brett hinterließ. Es inspirierte Autoren und Poeten, die angaben, vom Ouija-Brett Vorgaben für Romane oder Gedichte zu erhalten. Beispiele dafür sind Emily Grant Hutchings, deren Werk „Jap Herron“ (1917) angeblich Mark Twains Geist per Ouija-Board diktierte, Pearl Lenore Curran, die angab, mit einem Geist namens Patience Worth in Kontakt zu stehen, und James Merrill, dessen „The Book Of Ephraim“ den Pulitzer-Preis gewann.

Imagewandel

Im Jahr 1973 änderte sich die Art und Weise, wie die Öffentlichkeit das Ouija-Brett sah, drastisch. Und das förmlich über Nacht. Vom vorher spiritistischen, aber harmlosen Gemeinschaftsspiel hin zu einem gruseligen Werkzeug zur Dämonenbeschwörung. Der Auslöser dafür war der Film „The Exorcist“. In diesem nutzt die 12-jährige Regan ein Ouija-Board, über das ein Dämon in sie einfährt und sowohl ihre Familie als auch Ärzte und am Ende zwei Priester terrorisiert. Vorbild für den Film war „Der Exorzist“ von Autor William Peter Blatty, der von der Möglichkeit dämonischer Besessenheit überzeugt war. „The Exorcist“ löste weltweit Kontroversen aus, sicherte sich jedoch einen Platz als Trendsetter der Filmgeschichte.

Ouija in der Popkultur

Weitere Filme, darunter Witchboard (1986) Paranormal Activity (2007) und Ouija (2014) , allesamt dem Horror-Genre zuzuordnen, nahmen sich der Thematik ebenfalls an. Heutzutage gilt das Ouija-Board vielmehr als gruselig, weniger als spirituell. Nebst Auftritten in unterschiedlichsten Büchern, Filmen und Serien erscheint es auch in Video Games. Beispiele dafür sind Gone Home (2013) und Phasmophobia (2020), in denen das Ouija-Brett jeweils die Kommunikation mit Geistern erlaubt.

Funktionsweise

Und wie funktioniert das Ouija-Brett? Im Grunde brauchen die Teilnehmer lediglich einen Tisch oder eine ähnliche Unterlage, auf der das Brett liegt, und das Zeigestück. Die Zahl der Teilnehmer variiert zwischen eins und sechs, wobei die Austin Séance zu drei oder vier Teilnehmern rät. Die Teilnehmer berühren das Zeigestück mit ihren Fingern, stellen eine Frage und die „Geisterwelt“ übernimmt den Rest. Um in die richtige Stimmung zu kommen, eignen sich Maßnahmen wie das Dimmen des Lichts, das Aufstellen von Kerzen, je nach Geschmack können auch Räucherstäbchen oder Duftkerzen hinzu kommen. Vielleicht hilft auch Musik. Falls die Kommunikation mit einem bestimmten Geist erfolgen soll, können Teilnehmer auch Bilder oder Fotos in der Nähe des Bretts platzieren.

Den Erfolg der Session können wir hier jedoch nicht versprechen. Mehrere wissenschaftliche Experimente zeigten bereits, dass es am Ende nicht Geister sind, die das Zeigestück bewegen, sondern versteckte motorische Funktionen der Teilnehmer. Trotzdem schafft es das Ouija-Brett auch nach all diesen Jahren seit seiner „Entdeckung“ durch Elijah Bond, ganze Generationen mit seinen Mysterien in seinem Bann zu ziehen.

Titelbild: ©simona/stock.adobe.com

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Hat Kunstgeschichte und Literatur studiert. Schreibt gerne. So gerne, dass er sich sowohl in der NewFinance-Redaktion als auch in der Freizeit damit beschäftigt. Und sollte er mal nicht schreiben, interessiert er sich für E-Sport, Wirtschaft und dafür, wer gerade an der Börse abrutscht.