
„Not all those who wander are lost“: J.R.R. Tolkiens berühmte Zeile aus „Der Herr der Ringe“ ziert T-Shirts, Instagram-Bios und Laptop-Sticker von Weltenbummlern. Sie steht für Freiheit, Selbstfindung und den Mut, ausgetretene Pfade zu verlassen. Doch hinter jedem digitalen Nomaden, der mit dem Laptop am Strand von Bali arbeitet, stehen oft Menschen in Deutschland: Partner, Kinder, Eltern – Menschen, die im schlimmsten Fall finanziell abgesichert sein müssen.
Die Arbeitswelt ist mobil geworden, und mit ihr eine ganze Generation, die Heimat neu definiert. Workation in Portugal, Sabbatical in Südostasien, Auswanderung auf Zeit: Reisen wird individueller, spontaner und oft auch riskanter. Während die Instagram-Feeds von Sonnenuntergängen und Co-Working-Spaces überlaufen, bleibt ein Thema oft im Schatten: die Absicherung der Hinterbliebenen.
Viele Reisende verlassen sich auf Halbwissen, den vermeintlichen Schutz ihrer Kreditkarte oder die Versicherung des Reiseportals. Doch was passiert mit der Familie in Deutschland, wenn auf der Weltreise etwas Ernstes passiert? Denn eines ist statistisch belegt: Wer viel unterwegs ist, lebt gefährlicher.
Die unbequeme Wahrheit: Reisen birgt Risiken
Die Zahlen sind eindeutig und stammen von der Charité Berlin: Unfälle sind für etwa 20 bis 30 Prozent aller Todesfälle auf Auslandsreisen verantwortlich. Rollerfahren ohne Helm auf thailändischen Inseln, Trekking-Touren in abgelegenen Regionen, spontane Roadtrips durch politisch instabile Länder – all das gehört zum Lebensgefühl vieler digitaler Nomaden. Doch während das Abenteuer gesucht wird, werden die Konsequenzen für die Liebsten daheim oft ausgeblendet.
„Reisende suchen oft das Risiko“, weiß Robin Lerch, Gründer und Geschäftsführer von grenzenlos sicher. Er betreut als Makler gezielt digitale Nomaden, Expats und Auswanderer, also Menschen, die mit Laptop und Rucksack unterwegs sind und ihren Lebensmittelpunkt regelmäßig verlagern. Seine Beobachtung, auf die er auch in einem ausführlichen Interview auf DELA+ eingeht, lautet: Die Risikobereitschaft dieser Zielgruppe ist deutlich höher als bei klassischen Urlaubern.
Doch während viele an Auslandskrankenversicherung denken, übersehen sie ein viel grundlegenderes Problem: Was passiert finanziell, wenn auf der Weltreise etwas Ernstes passiert? Wer kümmert sich um offene Verpflichtungen, Rückführungskosten oder die Absicherung nahestehender Menschen?
Das Problem: Viele Risikolebensversicherungen greifen nicht
Hier wird es kompliziert. Denn viele junge Menschen haben noch gar keine Risikolebensversicherung – und unterschätzen, wie schwer es werden kann, eine abzuschließen, sobald der mobile Lebensstil beginnt. Andere gehen davon aus, dass ihre bestehende Versicherung auch dann zahlt, wenn sie längere Zeit im Ausland leben oder häufig reisen. Beides kann im Ernstfall zum Problem werden – für alle, die finanziell in der Verantwortung bleiben.
Die Annahmerichtlinien der meisten Risikolebensversicherungen sind klar: Längere Auslandsaufenthalte müssen gemeldet werden, bestimmte Länder und Regionen gelten als Risikogebiete, manche Aktivitäten führen zu Ausschlüssen oder Aufschlägen. Wer als digitaler Nomade zwischen Lissabon, Bangkok und Buenos Aires pendelt, fällt oft durch das Raster klassischer Versicherungsbedingungen.
Robin Lerch berichtet von Kunden, die erst kurz vor ihrer Ausreise merken, dass ihre bestehende Versicherung nicht mehr greift. Oder schlimmer: die gar nicht erst eine Risikolebensversicherung abschließen können, weil ihr mobiler Lebensstil als zu risikoreich eingestuft wird.
Die drei teuersten Denkfehler
Irrtum Nr. 1: „Meine RLV gilt weltweit.“
Viele Risikolebensversicherungen bieten zwar grundsätzlich weltweiten Schutz, doch die Bedingungen sind oft an einen festen Wohnsitz in Deutschland geknüpft. Wer seinen Lebensmittelpunkt verlagert, keinen festen Wohnsitz gar oder sich längere Zeit am Stück im Ausland aufhält, muss dies melden – und riskiert im schlimmsten Fall den Versicherungsschutz.
Irrtum Nr. 2: „Ich bin jung und gesund, ich bekomme problemlos eine Versicherung.“
Gesundheit allein reicht nicht. Versicherer prüfen auch den Lebensstil. Wer regelmäßig in Hochrisikoländer reist, gefährliche Sportarten ausübt oder in politisch instabilen Regionen lebt, kann mit Ablehnungen, Zuschlägen oder Leistungsausschlüssen rechnen. Viele digitale Nomaden scheitern bereits an der Risikoprüfung.
Irrtum Nr. 3: „Das regele ich schon noch.“
Später kann zu spät sein. Wer erst nach einem Unfall oder einer Erkrankung eine Risikolebensversicherung abschließen will, hat schlechte Karten. Und wer unversichert auf Weltreise aufbricht, nimmt ein Risiko in Kauf, das sich nicht mehr rückgängig machen lässt.
Wie DELA mit Reiserisiken umgeht
Genau hier setzt DELA mit dem Fragebogen Aufenthalts- und Reiserisiko an. Dieser hilft Maklerinnen und Maklern, in der Beratung zu klären, ob und unter welchen Bedingungen eine Risikolebensversicherung möglich ist.
Robin Lerch nutzt diesen Fragebogen in seiner Beratung. Die Fragen gehen dabei weit über ein einfaches „Wo und wie lange?“ hinaus und erfassen die Lebensrealität mobiler Menschen systematisch:
- Wo hat jemand in den letzten fünf Jahren gelebt, wo plant er oder sie die kommenden Jahre zu verbringen?
- Hält er oder sie sich überwiegend in Großstädten mit guter medizinischer Versorgung auf oder in abgelegenen Regionen, wo das nächste Krankenhaus nur per Flugzeug erreichbar ist?
- Arbeitet er oder sie kaufmännisch oder übt er oder sie körperlich anstrengende oder gefährliche Tätigkeiten aus?
Das Ergebnis: Eine realistische Einschätzung, ob eine Risikolebensversicherung möglich ist. Und zu welchen Konditionen.
Drei Tipps für die Beratung
Wer Reisende und Expats kompetent zu ihren besonderen Risiken berät, schafft echten Mehrwert und positioniert sich als vertrauenswürdiger Begleiter in einer mobilen, modernen Welt. Und das hat für beide Seiten Vorteile:
Praxisnahe Risikoanalyse statt Standardfragen
Robin Lerch empfiehlt, gemeinsam mit Kundinnen und Kunden realistische Szenarien durchzuspielen: Was passiert, wenn ihnen auf der Weltreise etwas zustößt? Wie sind die Hinterbliebenen dann abgesichert? Tools wie der DELA-Fragebogen helfen dabei, Risiken schon vor Abschluss einer Versicherung besser zu bewerten.
Transparenz über Annahmerichtlinien
Viele Kundinnen und Kunden wissen nicht, dass längere Auslandsaufenthalte oder bestimmte Reiseziele Einfluss auf die Annahme einer Risikolebensversicherung haben. Wer hier frühzeitig aufklärt, vermeidet Enttäuschungen und schafft Vertrauen.
Cross-Selling-Potenziale erschließen
Wer die Risikolebensversicherung für Reisende im Blick hat, entdeckt schnell weitere Bedarfe. Eine internationale Krankenversicherung für medizinische Notfälle, eine Unfallversicherung mit weltweitem Schutz oder eine internationale Privathaftpflicht – all das sind Bausteine, die logisch zusammenpassen. Maklerinnen und Makler, die diese Zusammenhänge verstehen, positionieren sich als kompetente Begleiter für eine mobile Zielgruppe und schaffen echten Mehrwert über einzelne Produkte hinaus.
Beratung muss mobil sein
Robin Lerch lebt selbst ortsunabhängig und kennt die Bedeutung von Flexibilität in der heutigen Arbeitswelt, auch in der Versicherungsberatung. Aus seiner Perspektive sollten Maklerinnen und Makler, die diese mobile Zielgruppe erreichen wollen, digitale Kommunikationswege nutzen, die Lebensrealität der Kundschaft verstehen und dennoch sachlich über Risiken aufklären.
Im vollständigen Interview auf DELA+ berichtet er ausführlich von seiner Erfahrung mit dieser Zielgruppe: „Reisende suchen oft das Risiko“. Denn auch wenn viele Reisende gezielt das Abenteuer suchen: Die Verantwortung für ihre Liebsten sollten sie nicht vergessen.
Fazit: Verantwortung zeigen, Vertrauen gewinnen
Die Welt ist mobiler geworden, und mit ihr die Anforderungen an Hinterbliebenenabsicherung. Wer viel unterwegs ist, lebt statistisch gefährlicher und sollte seine Familie entsprechend absichern — ganz gleich, wie diese aussieht. Maklerinnen und Makler, die Reisende und Expats kompetent zu ihren besonderen Risiken beraten, zeigen Verantwortung und Weitsicht. Sie positionieren sich als vertrauenswürdige Begleiter in einer mobilen Welt und erschließen gleichzeitig Cross-Selling-Potenziale bei Unfall-, Kranken- und Lebensversicherungen. Eine Zielgruppe, die wächst und langfristig denkt.
Denn eines ist sicher: Das nächste Abenteuer kommt bestimmt. Die Frage ist nur, ob die richtige Absicherung mitreist.



