Eltern im Home Office: Die Herausforderung spielend meistern

Home Office

Trotz aktueller Lockerungen der Corona-Maßnahmen befinden sich noch immer viele Eltern in der misslichen Lage, dass ihre Kinder nicht in die Schule, den Kindergarten oder zum Sportverein gehen können. Zugleich müssen viele Eltern weiterhin arbeiten. Und das von zu Hause aus. Doch wie gelingt die Arbeit im Home Office, wenn die Kinder ebenfalls zu Hause sind?

Timing ist die halbe Miete

Wenn der Workflow mehrmals täglich durch private Herausforderungen unterbrochen wird, kann das Home Office durchaus eine Geduldsprobe sein. Die richtige Balance zu finden, ist nicht einfach. Einerseits gilt es, den Kleinen Aufmerksamkeit zu schenken, anderseits müssen Eltern auch Arbeit erledigen. Der erste Tipp, um die Kontrolle zu behalten, lautet daher, den Kindern beizubringen, dass der Elternteil nicht wirklich frei hat. Kristine Kupferschmidt, Trainerin für Selbstmanagement, empfiehlt gegenüber Tecchannel von Anfang an klare Regeln zu schaffen. Besonders, wenn kein separates Arbeitszimmer als Rückzugsort dient.

“Unsere Kinder haben schon als Kleinkinder gelernt, was ein Zeigefinger vor dem Mund bedeutet, wenn Papa telefoniert, und die Hand Richtung Tür nicht anderes heißt als ,Umdrehen – geht gerade nicht!‘”, erklärt die Expertin.

Wichtig sei es allerdings das Kind im Nachhinein für das brave Verhalten zu loben, um keine Abneigung durch ein Wegschicken zu signalisieren. Das ZDF empfiehlt zudem in einem aktuellen Beitrag einen gemeinsamen Tagesplan: Wann sind gemeinsame Zeiten, wann muss gearbeitet werden?

Priorisieren und Pausieren

Um dem Nachwuchs auch im Home Office gerecht zu werden, empfiehlt ein Online-Magazin eine abgewandelte Form der Pomodoro-Methode – benannt nach der Küchenuhr in Tomatenform. Ursprünglich für eine bessere Konzentration konzipiert, taktet ein Timer 25 konzentrierte Minuten, gefolgt von fünf Minuten Pause. In der Variante mit Kind verlängert Mutter oder Vater die produktive Zeit, je nachdem, wie lange sich das Kind alleine beschäftigen kann. Etwa zwischen 30 und 60 Minuten. Die Pausenzeiten werden dafür etwas länger getaktet.

Oft genügen schon zehn oder 15 Minuten, um dem Kind Aufmerksamkeit zu schenken oder eine neue Aufgabe zuzuteilen. Mit älteren Kindern im Schulalter lässt sich die Pause beispielsweise nutzen, um gesammelt Rückfragen zu Hausaufgaben zu besprechen. Um ansonsten effizient arbeiten zu können, empfiehlt es sich zudem in den Schlafenszeiten der Kinder und außerhalb der Bürozeiten zu arbeiten. Vorausgesetzt: Die Option der Gleitzeit.

Auch die Kleinen brauchen Struktur

Websites wie Leben uns erziehen empfehlen, den Kindern klare Signale, die sie aus dem normalen Alltag kennen, zu geben. Beispielsweise sollte auch daheim der Dresscode des Büros übernommen werden. Zudem helfe es, Kindern den Schultag mit einer Glocke, ähnlich dem Schul-Gong, einzuleiten. Wie in der Schule auch ist es außerdem sinnvoll, gemeinsam einen Stundenplan für die Woche zu erstellen. Auch kreative Fächer wie Sport oder Kunst sowie Pausen sollten hierbei nicht vergessen werden. Während Schulkinder und Teenager oft ihrem eigenen Arbeitsbereich haben, können Eltern für kleinere Kinder Basteltische in Sichtweite einrichten, um sie so gleichberechtigt miteinzubeziehen.

Zur Not auf Verständnis hoffen

Wenn sich im Video-Call mit den Kollegen doch mal der Nachwuchs bemerkbar macht, sollte am Besten offen mit der Situation umgegangen werden. Bis die Kitas und Schule einheitlich öffnen, sitzen viele Kollegen im gleichen Boot. Eine Studie der Online-Jobplattform StepStone befragte 7.000 Personen in Deutschland, von welchen über die Hälfte mit Kindern im Home Office sitzt. Darunter auch 1.000 Führungskräfte. Verständnis für diese Situation haben laut Umfrage 81 Prozent der Arbeitgeber. Und auch vor Corona bewies Professor Robert Kelly, den während eines Live Video-Interviews im Arbeitszimmer unerwartet seine Kindern besuchten, wie charmant so eine unvorhergesehene Unterbrechung sein kann. Das Video wurde zum viralen Hit mit über 39 Millionen Klicks auf Youtube.

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Aus der Praxis

Anja Augustin, Vertriebsassistentin der bbg Betriebsberatungs GmbH, kennt das Home Office mit Kindern aus eigener Erfahrung. Mit Tochter und Sohn im Alter von drei und fünf Jahren, hatte sie das Glück, nicht von Home Schooling betroffen zu sein. Ein weiteres Plus: Die Arbeits- und Betreuungszeiten ließen sich optimal mit den Schichtzeiten ihres Mannes vereinbaren. So war ein Elternteil stets für die Kinder verfügbar. Um den geregelten Tagesablauf der Kleinen – wie in der Kita – weiterhin beizubehalten, aß die Familie zu den gleichen Essenszeiten. Die Kinder hätten außerdem schnell verstanden, dass die Mama arbeitet, wenn sie am Computer sitzt.

„Die Frage der Kinder, ob sie dem Gesprächspartner am Telefon auch mal Hallo sagen dürften, fanden diese eher lustig“, so Augustin.

Auch hätte die Gegenseite stets Verständnis gezeigt. Und sollte es doch mal eines Ablenkungsmanövers bedürfen, so hätte sich neben dem Trampolin im Garten der Fernseher als „guter Freund“ erwiesen. Aber auch, wenn die Zeit nicht immer stressfrei war, so habe sie die gemeinsame Zeit und Arbeitspausen mit Kindern doch sehr genossen.

Titelbild: ©Vasyl/stock.adobe.com

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