Begraben im ewigen Eis: Leben und Sterben bei den Inuit

Begraben im ewigen Eis: Leben und Sterben bei den Inuit
A structure similar to an inuksuk but meant to represent a human figure, called an inunnguaq is a traditional native sculpture. This is also the symbol of the 2010 Winter Olympic Games in Whistler. Inuksuit vary in shape and size, with deep roots in the Inuit culture.

Ein Leben im Eis: Das Volk der Inuit hat Jahrhunderte Erfahrung darin, wie sie in der Kälte überleben können. Doch wie sieht es mit dem Tod aus? Wir werfen einen Blick auf die Sterberituale der Inuit.

88 Prozent Inuit

Zunächst folgen jedoch ein paar Zahlen. Der International Work Group for Indigenous Affairs (IWGIA) nach lebten im Jahr 2019 rund 65.000 Inuit in Inuit Nunangat, aufgeteilt in 51 Gemeinden. Die Region gilt als Heimat der Inuit und erstreckt sich über einige Territorien in Kanada. In Kalaallit Nunaat, auch bekannt als Grönland, gehören 88 Prozent der 56.200 Einwohner (Stand 2019) ebenfalls zum Volk der Inuit.

Begraben im Eis

Die Todesriten der Inuit sind allein schon wegen der geografischen Eigenarten ihrer Heimat grundlegend anders als unsere. Gefrorener Boden, Schnee und Eis machen es beinahe unmöglich, ein Grab zu schaufeln. Friedhöfe oder Massengräber gibt es nicht. Die „Interviewing Elders Collection“, ein Projekt Universität Leiden aus dem Jahr 1994 legt offen, dass verstorbene Personen auf dem Boden ihre letzte Ruhe fanden, in Leder oder Decken gewickelt und oberflächlich „begraben“ mit Steinen oder Eisblöcken. Diese sollten den Körper vor wilden Tieren schützen. Eine Praxis, die sich, vielen Knochenfunden überall in der Arktis nach zu urteilen, nicht immer bewährt hat. In einigen Fällen legten Angehörige auch Gegenstände aus dem Hab und Gut des Verstorbenen mit auf das Grab. Diese Gegenstände durften sie dann nicht wieder entfernen, es sei denn, sie ließen etwas im Tausch dafür zurück. Manchmal endeten die Toten auch einfach im Meer.

Die Seele der Inuit

Ein wichtiger Teil des Glaubenssystems der Inuit ist die Existenz des „tarniq“, einer Art spirituellen Essenz einer Person. Nach dem Tod eines Menschen lebt dieses „tarniq“ weiter und kann verschiedene Rollen erfüllen. Zum Beispiel ist es ihm möglich, in Träumen zu erscheinen. Wenn es dem Träumenden mitteilt, es sei durstig, dann wünscht es sich, dass sein Name weitergetragen wird. Die Weitergabe eines Namen ist den Inuit noch heute wichtig: Sie benennen Neugeborene nach Verstorbenen. Zwar sorge das nicht dafür, dass der Verstorbene wiedergeboren wird, aber wenn die Lebenden dem Wunsch des „tarniq“ nicht nachkommen, soll das Kind kränkeln.

Zwischen Himmel und Himmel

Zuletzt ist den Inuit auch die Aufteilung der Welt in „Oberwelt“ und „Unterwelt“ wichtig. Die während des „Interviewing Elders“-Projekts befragten Ältesten gaben hier an, dass die Oberwelt denjenigen vorbehalten war, die ein gutes Leben geführt hatten. Deren „tarniq“ fuhr hinauf an einen „glückseligen Ort im Himmel“, der jedoch im Vergleich zum Himmel des Christentums weniger „hell“ sein sollte. Andere Geschichten erzählen davon, dass diejenigen, die einen freiwilligen oder sehr gewalttätigen Tod erlitten haben, in den „Wahren Himmel“ aufsteigen, einen aus solidem Material gebauten Dom über der Erde. Oceanwide Expeditions wiederum berichtet, dass die „Oberwelt“, genau wie unsere Welt, aus Land mit Bergen und Tälern besteht. In dieser Ausführung jedoch bevorzugen die Inuit die „Unterwelt“, weil sie warm sei und viel Nahrung bereithalte, während die „Oberwelt“ Kälte und Hunger bereithielte. Die „Unterwelt“ liegt demnach unter der Erde und ist über einige wenige Zugänge in den Bergen oder vom Meer aus zu erreichen.

Inuit und der Tod

Sophie Pamak, eine Inuit aus Labrador, berichtet, dass Inuit heutzutage nach wie vor offen mit dem Tod umgehen – auch wenn es heute eher die christliche Kirche ist, an die sie sich in Zeiten der Trauer wenden, und nicht mehr die alten Götter. Eine Leichenschau gibt es in ihrer Gemeinde aufgrund fehlender Leichenschauhäuser nicht.

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Titelbild: © Robert Cocquyt/ stock.adobe.com, Video: © Living my Culture

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