Blasphemie oder moderne Architektur: Kletterkirchen und Bücherhimmel

Kletterkirche

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och hinaus ist das Motto dieser Kirche. Statt Halleluja und das Vater Unser gilt hier: höher, schneller, besser! Zwischen Kirchenschiff und Sakristei können Gläubige und Nicht-Gläubige in der Kletterkirche in Mönchengladbach auf 1300m² klettern. Aber auch Bibliotheken und Ferienhäuser können aus alten Kirchen entstehen.

Wann alles begann: Die St. Peter-Kirche

Der Grundstein für die St.Peter-Kirche wurde im Juli 1932 gelegt. Bereits im August 1933, ein Jahr später, wurde die Kirche eingeweiht. Dr. Robert Grosche, damaliger Pfarrer und Kunstkenner damals zur Westdeutschen Landeszeitung:

„Die Kirche ist Haus Gottes unter den Menschen. Als solches steht sie mitten unter den Häusern der Menschen und hebt sich doch aus ihnen wiederum als etwas ganz anderes heraus.“

Die Kirche, welche vom Architekten Clemens Holzmeister entwickelt wurde, wirkt durch ihre Ecktürme und der massiven Front sehr modern. Der Architekt hat sich an der modernen Kirchbaukunst orientiert. Später bekam die Kirche dann ein neues Läuten: vier Glocken wurden zwischen 1976 und 1987 renoviert. Ebenso wurde von Bauarbeitern ein neuer Anstrich und Änderungen am Altarraum vorgenommen. Anfang der 1980er Jahre kam schließlich die Sanierung des Daches sowie die Neu-Verfugung der Außenmauer an die Reihe. Doch bereits im Sommer 2007 wurde die Kirche geschlossen. Grund war der im ganzen Bistum Aachen drückende Sparzwang. Die Schließung verlief nicht ohne Hindernisse, denn viele Kirchgänger beschwerten sich beim Weihbischof Karl Reger. Trotzdem stand die Kirche anschließend zwei Jahre leer und blieb unbenutzt.

Der Umbau: Boulder-Tempel statt Gebets-Tempel

Aus alt mach neu, aus Kirche mach Kletterhalle, lautete die Devise 2009. Der Umbau zur Kletterkirche blieb natürlich nicht von scharfer Kritik verschont. Verhindern konnten die Beschwerden den Umbau allerdings nicht. So dauerte es bis 2010, bis die Kletterkirche von den Betreibern Simone Laube und Klaus Fasbender eröffnet wurde. Seither ist die ehemalige Kirche ein Paradies für alle Kletter- und Boulderfans. Von außen sieht man der ehemalige Pfarrkirche St. Peter nicht an, dass sie umgewidmet wurde. In der etwas besonderen Kirche können Sportler heute auf 1300m² zwischen Kirchenschiff und Sakristei an den 13m hohen Wänden klettern. Wo früher die Kirchenorgel stand, befindet sich nun ein aufwändig gestalteter Boulderbereich, welcher mittlerweile zum Treffpunkt für Einsteiger und Fortgeschrittene geworden ist. Wer den Adrenalinkick sucht, der sollte sich den Weg Richtung Planke, wo einst die Orgel stand, suchen. Von dort aus können sich die Kletterer mit einem gesicherten Sprung rund acht Meter in die Tiefe wagen.

Die Bleibe: Von der Kirche zum Ferienhaus

Zugegeben, eine Kletterhalle in einer ehemaligen Kirche zu erbauen ist sehr außergewöhnlich. Doch die Kirche in Mönchengladbach ist mit ihrer Umnutzung nicht alleine. Ein kleines Dorf in Wehlen bei Bernkastel-Kues haben die Rheinland-Pfälzer außer hervorragenden Wein noch eine weitere Attraktion zu bieten: ein luxuriöses Ferien- und Seminarhaus in einer ehemaligen Kirche, umbenannt in “Die Bleibe”. Seit Juni 2018 ist es somit die erste Kirche Deutschlands, in der Touristen Urlaub machen können. Die im Jahr 1668 erbaute Kirche erfreut Feriengäste seither mit freundlichen Zimmern, heimeligem Charakter und einem besonderen Highlight, dem offenen Koch-Essbereich im acht Meter hohen Chorraum.

 

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Für Lesebegeisterte: der siebte Bücherhimmel

Die Dominikanerkirche in Maastricht aus dem 13. Jahrhundert ist besonders für Leseratten ein Paradies. Über mehrstöckige, begehbare Bücherregale können Besucher sich hier auf die Suche ihres Lieblingsbuches begeben. Den Coffeeshop, dessen Design an einen Altar erinnert, können Lesebegeisterte anschließend noch in Ruhe nach Souvenirs und Andenken durchstöbern. Neben der Nutzung als Bibliothek ist die Dominikanerkirche auch noch ein Ort für Events und Schulungen. Denn jährlich finden in der Umnutzung der Kirche rund 140 Veranstaltungen statt. Zudem wurde die „Kirche“ von der britischen Zeitung „The Guardian“ zur „schönsten Buchhandlung der Welt“ gewählt.

Titelbild: © edb3_16/stock.adobe.com

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