Moritz Heilfort: „Auch Soldaten sind nicht unverwundbar“

Moritz Heilfort

Soldaten der deutschen Bundeswehr sind nicht nur im Kampf, sondern auch humanitär weltweit im Einsatz. In Ländern wie dem Kosovo, Afghanistan oder in Afrika engagieren sie sich seit Jahren. Auch im Kampf gegen das Ebola- oder Corona-Virus stehen sie für die Bevölkerung an vorderster Front. In Risiko-Rankings zu den gefährlichsten Jobs darf der Soldatenberuf daher folglich nicht fehlen. Doch wer kümmert sich um die Sicherheit der Soldatinnen und Soldaten? Wir sprechen darüber mit einem, der es wissen muss: Moritz Heilfort. Als ehemaliger Soldat und amtierender Gewinner des JungmaklerAwards 2020 kennt er beide Seiten sowie die Bedarfslücken in der Absicherung.

Redaktion: Herr Heilfort, was macht den Beruf des Soldaten aus ihrer Sicht am riskantesten? Und wie wahrscheinlich ist beispielsweise ein Einzug ins Kriegsgebiet?

Moritz Heilfort: Fakt ist, ein Soldat der Bundeswehr legt den Eid ab, der Bundesrepublik und dem deutschen Volk treu zu dienen und tapfer zu verteidigen. In letzter Instanz mit dem Leben. Wieviel riskanter kann ein Beruf sein? Klar unterscheidet sich die individuelle Ausgestaltung im Dienstalltag. Dennoch sind alle unter diesem Schwur vereint.

Die Frage nach der Einsatzwahrscheinlichkeit kann nicht pauschal beantwortet werden. Es hängt der Tätigkeit und Ausbildung ab. Manche Verwendungen werden permanent benötigt, wie zum Beispiel Drohnenpiloten. Da ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch. Andere hingegen gibt es genug und da ist es entsprechend nicht selten noch an die Freiwilligkeit gebunden.

Redaktion: Sie haben selbst gedient. Wie sind Sie zu dem Beruf gekommen? Und was war eine besonders riskante Situation, die Sie zu Dienstzeiten miterlebt haben?

Moritz Heilfort: Ich wollte nach der Schule eine Ausbildung machen und gleichzeitig aber auch die Bundeswehr kennenlernen und gutes Geld verdienen. Hat erstmal nicht so gut geklappt, aber ich habe mich hochgearbeitet durch alle Dienstgrade. Auch dieser Weg war am Ende nützlich, da ich so alle Ebenen kennenlernen konnte.

Eine der riskantesten Situationen erlebte ich, als ich mit zwei Kameradinnen von einem Lehrgang zurück zur Einheit fuhr. Am Fahrbahnrand der Autobahn stand ein LKW in Flammen und der Fahrer versuchte trotzdem in sein Führerhaus zu gelangen um etwas zu holen. Polizei und Feuerwehr waren noch nicht vor Ort. Als Soldaten sind wir ausgebildet auf solche Situationen professionell zu reagieren. Und das haben wir dann auch getan. Angehalten und den Fahrer von seinem Fahrzeug im ersten Schritt weggezogen, dann die Autobahn gesperrt und die Unfallstelle gesichert. Kurz danach entzündeten sich die Reifen und eine riesige Stichflamme setzte den Rest des LKW in Flammen. Das war schon nicht ohne.

Redaktion: Welche Absicherung ist für Soldaten und deren Familien entscheidend und inwieweit wird hierzu in der Truppe Aufklärung geleistet?

Moritz Heilfort: Entscheidend für Soldaten ist die Erkenntnis, das auch sie nicht unverwundbar sind und damit die Absicherung der Arbeitskraft auch für sie ein wichtiges Thema ist. Das Thema Krankenversicherung wird ebenfalls chronisch in seiner Bedeutung unterschätzt. Die Aufklärung in der Truppe ist an sich gut organisiert. Es gibt einen eigenen Sozialdienst, der aufklärt. Es gibt einige Versicherungsgesellschaften, die innerhalb der Kaserne Unterrichtungen zu diesen Themen durchführen dürfen. Am Ende bleibt aber das Problem, dass ein Unterricht keine ausführliche und individuelle Beratung ersetzen kann.

Redaktion: Inwieweit unterstützen Sie Soldaten mit Paladinum hierbei?

Moritz Heilfort: Wir setzen genau an der Schnittstelle zwischen Dienstherr, Versorgungsregelungen und Absicherungsmöglichkeiten der Finanzdienstleistungsbranche an.

An Allen drei Fronten gibt es erheblichen Verbesserungsbedarf aus meiner Sicht.

Wir wollen folglich nicht nur Soldaten beraten und bei der Absicherung ihrer Risiken unterstützen, sondern wir möchte die Diskrepanzen seitens der Produktgeber diskutieren, das Versorgungsrecht mittelfristig durch Verbandsarbeit angehen und dem Dienstherrn zu verstehen geben, dass er sich mehr um seine anvertrauten Soldatinnen und Soldaten kümmern muss. Vor allem, wenn diese versehrt an Körper oder Geist aus dem Einsatz zurück kehren.

Redaktion: Warum ist Soldat trotz aller Risiken dennoch ein Traumberuf für Sie?

Moritz Heilfort: Soldat zu sein bedeutet für die Sache einzustehen. Es bedeutet sich für dieses Land aktiv einzusetzen. Egal ob in Mali oder im Gesundheitsamt, Aktiver oder Reservist. Die Verbundenheit durch Kameradschaft ist etwas, dass sich nur schwer in Worte fassen lässt. Zu wissen, dass da Menschen sind, die sich für einen eine Kugel einfangen würden, und dass man bereit ist, dasselbe für sie zu tun ist eines der Kernelemente und schweißt bei allen Unterschieden zusammen.

Titelbild: © Alex Muchnik

Über unseren Experten

Moritz Heilfort

Als Geschäftsführer der paladinum GmbH aus Lehrte in Niedersachsen setzt er sich für die Absicherung von Soldaten und Veteranen ein. Nach 16 Jahren aktivem Dienst hat er eine besonders enge Verbindung zur Zielgruppe und tiefe Einblicke in die Thematik

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