Longyearbyen: Die Stadt, die den Tod einfriert

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Permanent gefrorener Boden, ein dubioses Sterbeverbot und ein Pflanzensamen-Tresor – das ist Longyearbyen. Eine der am weitesten nördlich gelegenen Städte der Welt verfügt über eine besondere Gesetzeslage, die den Umgang mit dem Tod quasi einfriert. Wir werfen einen Blick auf die Stadt.

Geburt im Eis

Ein paar Fakten vorweg. Longyearbyen liegt in Nordnordwegen, auf der Insel Spitzbergen im Svalbard-Archipel. Der Name ist Programm: Longyearbyen heißt übersetzt so viel wie „Longyear-Stadt“, was John Munro Longyear zu verdanken ist, der die Stadt im Jahr 1906 gründete. Life in Norway zufolge begann ihre Geschichte als pure Industriestadt. Sie diente einzig dem Zweck, die Kohleminen in Betrieb zu halten und die Arbeiter sowie ihre Familien zu versorgen. Die Stadt kämpft unter anderem mit Lawinen, Eisbär-Attacken und dem Klimawandel.

Diverse Biologie

Aktuell leben 2.368 Menschen in Longyearbyen (Stand 2019), von denen zwei Drittel (66 Prozent) die norwegische Staatsbürgerschaft haben. Dadurch, dass viele der Kohlearbeiter in Thailand Urlaub gemacht und von dort Frauen mitgebracht haben, etablierte sich eine thailändische Community in der Stadt. Insgesamt sind hier über 50 Nationalitäten in der Stadt vertreten.

Leben oder gehen

Außerdem hält sich hartnäckig das Gerücht, in Longyearbyen dürfe man als Bewohner nicht sterben. Travelbook berichtet allerdings, dass das Sterben an sich durchaus erlaubt ist, nur gibt es keine Möglichkeit, die Verstorbenen zu begraben. Das liegt daran, dass der Boden das ganze Jahr über gefroren ist. In einem solchen Boden funktioniert der Verwesungsprozess nur schwerfällig, außerdem ist es möglich, dass die Leichen durch Bodenbewegungen wieder nach oben „wandern“. Seit 1950 soll ein Gesetz existieren, welches vorsieht, dass Menschen zum Sterben das norwegische Festland besuchen sollen oder nach dem Tod dorthin gebracht werden. Was jedoch erlaubt ist, ist das Verstreuen von Asche der Verstorbenen im Eis. Weitere Details zur Gletscherbestattung finden Interessierte auf unserem Blog.

Konservieren ist alles

Wie sehr die Stadt versucht, den Tod beiseite zu drängen, spiegelt sich auch im „Svalbard Global Seed Vault“ wieder. Dabei handelt es sich um eine wissenschaftliche Einrichtung, tief in den Hügeln über dem Flughafen von Longyearbyen, die Pflanzensamen aufbewahrt. Doch dabei handelt es sich nicht um irgendwelche Pflanzensamen, sondern um Proben, die aufgrund ihrer genetischen Zusammensetzung essenziell für die Nahrungsversorgung und nachhaltige Agrikultur sind. Jeder dieser Pflanzensamen hat einzigartige Eigenschaften, die Pflanzenzüchter brauchen können, um ihre Ernte zu verbessern. Zum Beispiel bestimmte Resistenzen gegen Kälte oder Krankheiten. Genau wie der Boden unter Longyearbyen ist auch die Bergmasse um den Seed Vault herum dauernd gefroren, die Temperaturen schwanken zwischen minus drei und minus vier Grad Celsius. Zusätzliche Kühlung bringt die „Seed Storage Area“ auf minus 18 Grad Celsius herunter. Auf diese Weise bleiben auch zukünftigen Generationen die Samen von heute erhalten.

Titelbild: © Kylie / stock.adobe.com

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