Das Automobil als Technologie mit Risiko: Eine PS-starke Gefahr im Wandel

Automobil

Am 29. Januar 1886 meldete ein Ingenieur seine Erfindung zum Patent an, welche die Mobilität grundlegend revolutionieren sollte: Das Automobil. Der Erfinder: Carl Benz. Wir zeigen den langen Weg von der Pferdekutsche bis hin zum autonomen Fahren und verdeutlichen, welche (unterschätzten) Risiken eine der großen Entwicklungen der Menschheit darstellt.

Das Auto war zu Beginn ein Ladenhüter

Zu Beginn glaubte niemand so Recht an den Erfolg des Autos. “Ich glaube an das Pferd, das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung”, soll gar Kaiser Wilhelm II gesagt haben und lag mit seiner Einschätzung – wie wir heute wissen – weit daneben. Es sollte anders kommen, das Auto als technologische Revolution.

Das erste Auto glich eher einem Dreirad

Das erste Automobil hatte jedoch wenig mit dem heutigen Stand der Technik zu tun. Benz lehnte sein “Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb” optisch an die Formen von Fahrrad und Kutsche an. Heraus kam eine Art dreirädriges Velociped. Die im gleichen Jahr von Gottfried Daimler gebaute Motorkutsche näherte sich dem heutigen Auto schon eher an. Die Urformen unseres heutigen Autos waren zu Beginn allerdings alles andere als ein Verkaufsschlager. Die Technologie, in Verbindung mit einem Verbrennungsmotor und einem Fahrgestell eine umwälzende technische Innovation zu erschaffen, krankte zunächst. Ende des 19. Jahrhunderts stand noch nicht fest, ob sich der Verbrennungsmotor gegenüber der parallel entwickelten Dampf- oder Elektroautos durchsetzen würde. Die hohe Reichweite sprach allerdings für die Zukunft des Automobils.

Der Erfolgszug des Automobils

Durch Kommunikationsstrategien der Automobilunternehmen verbreitete sich der Pkw zunehmend und sein Erfolgsweg begann. Zwar blieb die Zahl der Fahrzeuge auf einem niedrigen Niveau, es entwickelte sich aber eine Faszination für Autos. Es stand für Mobilität, Individualität, Vielfalt, Wettbewerb und moderne Technik. Der Status, den ein Auto für seinen Besitzer mitbrachte, überwog die Gefahren, die im Straßenverkehr lauerten. Schneller, lauter, luxuriöser.

Status überwiegt die Gefahren des Autofahrens

Es war aber auch eine Risikotechnologie, wie die Unfallstatistik der vergangenen Jahrzehnte zeigt. Mehr als 778.000 Menschen sind auf deutschen Straßen seit 1953 gestorben, mehr als 31 Millionen verletzten sich dort (Stand 2017). Wie die Grafik der Augsburger Allgemeinen zeigt, stieg die Gefahr des Autofahrens stetig an. Im Jahr 1953 lag die Zahl bei 12.631 Toten, bis sie 1970 einen traurigen Höhepunkt erreichte. 21.332 Menschen ließen in diesem Jahr auf den deutschen Straßen ihr Leben.

Reglementierungen waren notwendig. Die Sicherheitsstandards stiegen und es folgten strengere Regeln auf den Straßen: Die Höchstgeschwindigkeit wurde innerorts auf 50 Stundenkilometer begrenzt, Höchst- und Richtgeschwindigkeiten auf der Autobahn und Landstraße eingeführt – sowie eine Promillegrenze von 0,8 festgelegt. Seit dem traurigen Höhepunkt vor rund 50 Jahren wird Autofahren wieder sicherer. Immer weniger Menschen sterben im Straßenverkehr: 2020 lag die Zahl bei 2.724. Damit ist bis 2020 die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle um rund 87 Prozent gesunken.

Weniger Unfälle während der Pandemie 2020

Wobei das erneute Abknicken der Kurve der Verkehrstoten eine Folge der Corona-Pandemie ist. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gab es zwischen März und Juni 2020 nur 880 Verkehrstote. Das entspricht einem Minus von 17,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und auch die Zahl der Unfälle insgesamt (mit Todesfolge eingeschlossen) ging zurück. Rund 670.000 Unfälle verzeichnete die Polizei – 26 Prozent weniger als im Vorjahr.

Verkehrsunfälle 2020/2021

Der positive Trend führte sich zu Beginn des Jahres 2021 fort, als Deutschland sich im zweiten Lockdown befand. Wie die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, starben im Januar und Februar 2021 so wenige Menschen im Straßenverkehr wie noch nie in einem Monat seit der deutschen Vereinigung. 263 Menschen kamen bei Straßenverkehrsunfällen ums Leben gekommen.

Das Fahrverhalten wird schlechter

Allerdings beklagt die Polizei ein immer aggressiveres Fahrverhalten und vermehrte Smartphonenutzung am Steuer. Zwei wesentliche Ursachen für Unfälle. Zudem werden laut Kraftfahrt-Bundesamt immer mehr Autos zugelassen. Heute, rund 125 Jahre nach Erfindung des Autos, steht es an einem Wendepunkt: Gefangen im Zwiespalt geforderter Verkehrswende, verabredeten Klimazielen und dem Wunsch nach PS-starkem Rausch.

Neue Herausforderungen: Autonomes Fahren

Um in diesem Spannungsverhältnis eine umweltfreundliche Lösung zu finden, arbeiten Forscher stetig an Innovationen. Verbrennungsmotoren weichen mehr und mehr Elektroantrieben und selbst am Steuer könnte es eine Änderung geben: Womöglich sitzt dort in einigen Jahren ein Roboter. Autonomes Fahren steht in den Startlöchern und wird bereits vielfach getestet und legt einen neuen Meilenstein in der Mobilität.

Wie bei allen großen Innovationen gibt es filigrane Unterschiede in ihrer Beschreibung. Das gilt auch für autonomes Fahren, dass sich aus technischer Sicht in drei Stufen einteilen lässt: Autonom, automatisiert oder selbstfahrend. Zwar handelt es sich jeweils um Roboterfahrzeuge. Inwieweit der Mensch noch während der Fahrt eingreifen kann, unterscheidet sich hierbei jedoch stark. Die Industrie hat sich deshalb auf fünf Stufen geeinigt.

Unterschiedliche Automatisierungsstufen

  • Bei Autonomielevel 0-2 steuert der Fahrer das Auto noch selbst und nutzt lediglich unterstützende Assistenzsysteme.
  • Autonomielevel 3-4: Der Fahrer greift nur gelegentlich ein.
  • Autonomielevel 5: Das Auto besitzt weder ein Lenkrad noch eine Pedale – autonomer geht es nicht. In diesen voll automatisierten Roboterfahrzeugen gibt es keinen Fahrer, alle Insassen sind Passagiere.

Allerdings gibt es einige Hürden zu nehmen. Eine der größten für autonomes Fahren ist, in allen Situationen richtig zu reagieren. Dazu müssen die Roboterfahrzeuge ihre Umgebung genau erkennen und die Daten schnell verarbeiten. Das Problem zeigt sich aber schon in der Umgebung: Je nachdem, ob das Auto auf der Autobahn, der Landstraße oder in der Stadt zum Einsatz kommt, unterscheiden sich die Anforderungen. Gerade, wenn das Auto fahrerlos betrieben wird, zeigen sich noch gefährliche Lücken im System. Erst jüngst kam es in den USA mit einem vermutlich fahrerlosen Wagen der Marke Tesla zu einem tödlichen Unfall. In einer Kurve steuerte das Fahrzeug gegen einen Baum.

Wie schon vor 125 Jahren ziehen große Innovationen auch Misstrauen auf sich. Das Autonome Fahren muss sich noch beweisen.

Titelbild: © Maksim Šmeljov/stock.Adobe.com

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