Beerdigungs-(N)Etiquette: Smartphones auf Trauerfeiern

Smarthphones auf Beerdigungen

Ein klingelndes Handy gilt während einer Beerdigung als Störfaktor und sollte daher, laut Fachportalen wie Vorsorgeweitblick, nicht zum Vorschein kommen. Doch gehören Smartphone, Social Media und Co. noch immer von Trauerfeiern verbannt? Und welche (digitalen) Benimmregeln gelten für Beisetzungen?

Der Trauer-Knigge

Es gibt ungeschriebene Regeln, die jeder von einer Beerdigung kennt. Dazu gehört das pünktliche Erscheinen zur Trauerfeier, eine angemessene Garderobe in gedeckten Farben sowie das empathische Verhalten gegenüber den Angehörigen. Doch wie verhält es sich mit dem Handy? Theaterbesucher kennen es: Andächtige Stille und irgendwo ein Handyklingeln. Bei einer Trauerfeier ist dies nicht nur peinlich, sondern kann auch schnell respektlos wirken, wie sogar Handy-Werbungen oder eine Szene der Hangover-Trilogie überspitzt verdeutlichen. Daher gilt nach wie vor: Das Handy in den Flugmodus stellen oder ausschalten. Auch ein Vibrationston kann in Momenten stiller Trauer gut hörbar und störend sein.

Smartphones im Trend

Doch nicht nur Gäste der Trauerfeier betrifft die Frage nach dem Umgang mit dem Mobiltelefon während der Beerdigung. Dem Trauerportal Aspetos zufolge gilt das Mobiltelefon als neuster Trend unter den Grabbeilagen. Die Tradition der Grabbeilage selbst gilt bereits seit Jahrtausenden als kultureller Bestandteil von Begräbnissen. Während sich frühere Generationen mit Waffen und Schmuck, oder wie in China sogar mit einer ganzen Armee aus Tonkriegern bestatten ließen, sei heute der persönlichste Gegenstand offenbar das Smartphone. Bestattungen würden generell zunehmend individueller. Außerdem sei es der Wunsch Sterbender, einen Gegenstand mitzunehmen, mit dem man sich nicht allein fühle. Entsprechende Wünsche sollten rechtzeitig vorab in einem Testament festgesetzt und besprochen werden. Zu bedenken gilt jedoch, dass das Handy nur bei einer Erdbestattung mitgegeben werden darf.

Im Falle einer Feuerbestattung würden giftige Emissionen freigesetzt. Der Ire Shay Bradley ging noch einen Schritt weiter. Um bei der eigenen Bestattung Freude zu verbreiten, hielt er eine besondere Überraschung bereit.

Stilvoll inszeniert

Doch ist ein Handy automatisch immer ein Störfaktor? Nein. Selbst der ehemalige US-Präsident Bill Clinton lies es sich nicht nehmen, auf der Trauerfeier von Musik-Legende Aretha Franklin sein Smartphone aus der Tasche zu ziehen. Der beinahe schon legändere Moment ereignete sich zudem nicht auf den Zuschauerplätzen, sondern während seiner Rede vor allen Trauernden. Gegen Ende verlieh er seinen Worten Nachdruck, indem er über das Gerät den Song „Think“ der Sängerin abspielte. Er zollte damit auf eine sehr moderne Weise Tribut und die Anwesenden nahmen die ungewöhnliche Herangehensweise positiv auf.

Toleranter durch Corona?

Durch die Corona-Krise gelten derzeit strengere Regelungen für die Bestattungsbranche als üblich. Personenzahlen sind stark begrenzt und auch die Durchführung der Trauerfeier gestaltet sich anders. Um dennoch allen Trauernden die Möglichkeit zu geben, an dem Begräbnis teilzunehmen, schlägt der Bundesverband Deutscher Bestatter e.V. vor, eine Online-Übertragung der Trauerfeier zu arrangieren. Der digitale Abschied wird immer populärer. Die Voraussetzung: Eine Internetverbindung und digitale Geräte. Beispielsweise ein Smartphone. Der einstige „Störfaktor“ kann in Krisenzeiten so durchaus zum nützlichen Helfer avancieren.

Titelbild: ©Alex from the Rock/stock.adobe.com

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