Hals- und Beinbruch: Cheerleader, die akrobatischen Glücksbringer

Cheerleaders

Federleicht fliegen sie durch die Luft, tragen glitzernde Outfits und ein strahlendes Lächeln. Jeden Sprung und jede Landung meistern sie scheinbar mühelos. Was im Cheerleading einfach aussieht, erfordert in Wahrheit akrobatische Höchstleistung und eisernes Training. Das Verletzungsrisiko: enorm hoch. Wir werfen einen Blick auf die Faszination Cheerleading.

Zunehmende Beliebtheit in Deutschland

Die riskante Sportart, die in den USA zur Kultur gehört, findet auch hierzulande immer mehr Anklang. So zählt der Cheerperformance Verband Deutschland e.V. (CCVD) bis 2019 über 20.100 Einzelmitglieder. Davon sind etwa zehn Prozent männliche Sportler. In den USA wird die Zahl der Cheerleader auf knapp vier Millionen geschätzt. Auch der Streaming Dienst Netflix erkannte den Trend. Das Format „Cheer“ begeistert seit Beginn des Jahres auch deutsche Zuschauer. Die Produktion begleitet die Studenten einer der besten Cheerleading-Organisationen der USA. Beleuchtet sowohl Erfolgserlebnisse der jungen Erwachsenen, als auch Schmerz und Herausforderungen, die das harte Training mit sich bringt. Zuletzt erlangte das Format negative Aufmerksamkeit: Jerry Harris – Star der Serie – wird laut Medienberichten der Kinderpornografie beschuldigt. Der Serie und, in Folge dessen dem Sport, sichert der Skandal allerdings zusätzliche Aufmerksamkeit.

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Gar nicht mal so unmännlich

Bevor Cheerleading zum „Mädchen Trendsport“ avancierte, war es vor allem eine Männerdomäne. Laut mynfl.de begründete der Student Johnny Campbell 1898 den Sport. Während eines Football-College Endspiels der University of Minnesota gegen die Northwestern University. Der junge Amerikaner feuerte sein Team mit sich wiederholenden Schlachtrufen an und gründete bald darauf den ersten Cheerleading-Verein: „yell Captains“. Auch der vormalige US-Präsident George W. Bush Senior war zu seiner Zeit ein Cheerleader. Erst in den 1920er Jahren traten auch Frauen den Gruppierungen bei. Während und nach dem zweiten Weltkrieg verstärkte sich der Frauenanteil zusehend. Parallel ergänzten Tanzbewegungen die sogenannten „Chants“, Anfeuerungsrufe. Football- und Basketballteams engagierten Cheerleader. Allerdings unter strengen Auflagen wie beispielsweise Kontaktverbot zu den Spielern.

Trainieren bis zum Umfallen

Der Sport Cheerleading hat sich zwar über die vergangenen Jahrzehnte stark als „Begleiterscheinung“ US-amerikanischer Ballsportarten etabliert, hauptsächlich spielt sich der Sport allerdings auf Meisterschaften ab. Dort treten die Teams in den Kategorien Cheerleading und Cheerdance gegeneinander an. Messen sich auf einem hoch kompetitiven Niveau. Dabei sind schwere Verletzungen nicht ausgeschlossen. So auch im Fall Laura Jackson. Die US-Amerikanerin verunglückte beim Cheerleading und ist seitdem gelähmt. Laut WELT kein Einzelfall. Laut einer kanadischen Studie hätten sich die durch den Sport verursachten Unfälle in den vergangenen 20 Jahren sogar verdreifacht. Studienergebnisse von 1982 bis 2009 belegten, dass 80 Prozent aller schweren Sportverletzungen von jungen US-Athletinnen beim Cheerleading entstanden.

Das größte Risiko neben schlecht ausgebildeten Trainern: Sparen am Material. Fast 90 Prozent der Unfälle ereignen sich ohne ausreichend dicke Matten oder federnde Böden. Aber das sieht man oft nicht im Fernsehen. Die meisten Unfälle passieren sich während des Trainings. Verletzungen der Wirbelsäule, die zu Lähmungen führen, oder bleibende Hirnschäden sind die Folge. Als Sportart anerkannt wird Cheerleading derzeit nur in 25 Bundesstaaten. Einige Schulen und Universitäten nahmen auf Grund hoher Versicherungsprämien sogar Abstand zur Sportart. Die Popularität ist dennoch ungebrochen.

Sexismus im Leistungssport

Tatsächlich ist Cheerleading eine der unterschätztesten Sportarten. Um Akrobatik, Bodenturnen, Tanz und Ausdauer zu vereinen, trainieren Cheerleader hart. Dennoch: für viele gelten sie lediglich als „tanzende Mädels in kurzen Röcken“. Entsprechendes Vorurteil führte erst im September vergangenen Jahres zu einer erneuten Sexismus Debatte. Der Hauptstadt-Basketballclub Alba Berlin hatte nach einem Vierteljahrhundert entschieden, Cheerleader seien nicht mehr zeitgemäß. Geschäftsführer Marco Baldi begründete laut dem Tagesspiegel:

„Das Auftreten junger Frauen als attraktive Pausenfüller bei Sportevents passt nicht mehr in unsere Zeit.“

Cheerleader selbst finden die Auflösung des Cheer-Teams unbegründet und falsch. So schreibt eine Sportlerin in dem Onlinemagazin Noizz:

„Als Cheerleader begegnest du andauernd Vorurteilen, bevor du überhaupt den Mund aufmachst.“

So ginge es nicht um ein sexy Auftreten, sondern den Hochleistungssport. Sie wünsche sich, dass eben dies anerkannt wird und Stereotypen über das Cheerleading verschwinden.

Titelbild: © Mirko/stock.adobe.com

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