D-Lounge: New Work – Revolution der Arbeitswelt? Nachgefragt bei Patrick Hamacher …

New Work. Alles steht auf dem Prüfstand

Die zunehmende Vernetzung der Welt schenkt uns eine nie dagewesene Freiheit und Mobilität. Schöne neue Arbeitswelt? Hybrides Arbeiten, hierarchielose Organisationen, die Auflösung der klassischen Bürostruktur, Shared-Desk-Konzepte, weniger Arbeitszeit, eine 4-Tage-Woche zu gleichem Gehalt. Was gestern unmöglich schien, wird heute heiß diskutiert. Auch in der nächsten D-Lounge:

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nachgefragt bei Patrick Hamacher

Patrick ist Versicherungsfachwirt und Geschäftsführer von Was-ist-Versicherung.de und Hamacher Versicherungsmakler in zweiter Generation. Er ist auf die Existenz- und Ausgabenabsicherung von Freelancern, Selbständigen, Online-Unternehmern und New Work spezialisiert. Denn seine Kunden sind auch “Digitale Nomaden”.

New Finance: Patrick, Du bist Experte, wenn es um die Absicherung von sogenannten “Digitalen Nomaden” geht. Also Menschen, die ihr Geld online und unabhängig von einem Standort verdienen. Werden das tatsächlich immer mehr?

Patrick Hamacher: Ob sie immer schon da waren oder in den letzten Jahren mehr geworden sind, wage ich nicht zu beurteilen. Ich weiß nur, dass viele Freelancer lediglich ihren Laptop benötigen, um ihre Arbeit verrichten zu können. Daher zieht es – gerade in der kalten Jahreszeit – den/die ein oder andere/n in wärmere Gefilde. Sie können ortsunabhängig arbeiten und tun das auch. Die meisten meiner Mandantinnen und Mandanten haben jedoch ihren Hauptsitz in Deutschland, dehnen dann aber die Urlaube an den schönen Orten aus oder gehen für ein halbes Jahr ins Ausland. Warum also Homeoffice in der kleinen Wohnung mit Blick auf den Hinterhof machen, wenn man auch in Strandnähe mit Blick auf das Meer und Palmen sitzen kann? Zumal das Internet fast überall auf der Welt schneller und stabiler ist, als bei uns.

New Finance: Du hast einen professionellen Blick hinter die Kulissen. Ist das wirklich das berufliche Leben, von dem viele Träumen oder gibt es bei aller Euphorie auch Schattenseiten?

Patrick Hamacher: Es spielt da eine gewisse Romantik mit, wenn man an die Hängematte auf Bali denkt. Wer jedoch einmal am Strand seinen Laptop verwendet hat, wird schnell merken, dass sich Technik und Sand nicht sonderlich gut vertragen. Hinzu kommt die Sonne, die im Display spiegelt. Arbeit ist und bleibt Arbeit – auch, wenn sie an einem tollen Ort mit toller Landschaft gemacht wird.

New Finance: Wie sieht es mit Deinem eigenen Bedürfnis nach Unabhängigkeit und Selbstbestimmung aus? Welche persönliche New Work-Perspektive hast Du vor Augen?

Patrick Hamacher: Ich lebe die Unabhängigkeit direkt doppelt. Einmal, weil ich als Versicherungsmakler ungebunden bin, was die Produktpartner angeht, und weil ich mir als Selbständiger meine Zeit frei einteilen kann. Das ist für mich jedoch losgelöst vom Standort. Ich mag es allerdings, dass ich jederzeit meinen Laptop schnappen und von überall aus arbeiten könnte. Dieses Wissen, es tun zu können, wenn ich wollte, reicht mir momentan absolut aus. Irgendwie mag ich mein kleines Büro in Würzburg nämlich schon.

New Finance: Machst Du, als sehr aktiver Versicherungsmakler mit großem Netzwerk, tatsächlich die Erfahrung, dass Millenials und GenZ komplett andere Vorstellungen von Work und Life haben?

Patrick Hamacher: Neulich bekam ich mit, dass ein Auszubildender beim Vorstellungsgespräch fragte, wie es mit einem Sabbatical während der Lehrzeit aussehe. Das war mit Sicherheit eine Ausnahme. Dennoch stelle ich fest, dass die wenigsten der jüngeren Menschen sich noch vorstellen können, ihr ganzes Leben in nur einem Job, bei nur einem Arbeitgeber tätig zu sein. Arbeit ist für viele das „notwendige Übel“, um Geld zu verdienen, damit sie ihr Leben genießen können. Das Definieren über den Job oder den Titel rückt da immer mehr in den Hintergrund.

New Finance: Wie beurteilst Du die New-Work-Bewegung, die alles auf den Prüfstand stellt. Starre Arbeitsmodelle, Arbeitsorte, Arbeitsmoral … .

Patrick Hamacher: Dinge zu hinterfragen ist immer gut. Gerade die Sinnhaftigkeit von Tätigkeiten. Denn dadurch entsteht Fortschritt. Es gibt jedoch Bereiche, da ist es nicht möglich, sich den Arbeitsort frei zu wählen. Mein Zahnarzt sollte schon in der Praxis sein und nicht Tausende von Kilometer entfernt, wenn ich die Zahnreinigung machen lassen möchte. Und wenn z. B. die Feuerwehr freie Zeiteinteilung hätte, wäre das mit Sicherheit auch nicht förderlich. Bei anderen Berufen kann ein flexibles Arbeitsmodell jedoch praktisch sein – Voraussetzung ist dabei natürlich immer die Arbeitsmoral. Und diese sollte – egal bei welcher Bewegung – immer vorhanden sein. Ich sehe jedoch keinen Sinn, warum jemand, der seine Arbeit nach sechs Stunden vollständig erledigt hat, noch zwei Stunden im Büro sitzen muss. Nur, damit auf der Stechuhr am Abend die vollen acht Stunden stehen.

New Finance: Ist die Versicherungsbranche für New Work gerüstet? Wo muss nachjustiert werden, um beim Recruiting konkurrenzfähig zu bleiben?

Patrick Hamacher: Wir sind kein verarbeitendes Gewerbe, wir haben noch nicht einmal etwas Physisches, das verkauft wird. Selbst die Versicherungsscheine sind mittlerweile digital. Darum ist gerade unsere Branche prädestiniert für New Work. Natürlich müssen Servicezeiten vorhanden sein. Aber das ist ebenfalls remote bzw. ortsunabhängig möglich. Theoretisch müsste uns der Nachwuchs die Türen einrennen. Gäbe es da nicht das angestaubte Image, das uns vorauseilt. Daher sollten wir einfach mehr über die Möglichkeiten sprechen und nicht das „alte Bild“ mit Anzug, teurer Uhr und dicken Autos spielen.

New Finance: Auf was freust Du Dich bei der D-Lounge in Düsseldorf ganz besonders? Mit welchen Erwartungen reist Du an?

Patrick Hamacher: Da ich die anderen D-Lounges gesehen habe, reise ich mit der Erwartung an, dass diese D-Lounge nahtlos mit tollen Gesprächen und Diskussionen an die Vorangegangenen anknüpfen wird. Besonders freue ich mich, dass wir bei der Veranstaltung alle gemeinsam an einem Ort sein werden und – trotz New Work – ganz „oldschool“ in einer Runde sitzen werden.

Danke für’s Gespräch!

D-Lounge NEW WORK – Revolution am Arbeitsmarkt? Wie sieht unsere Arbeitswelt in 10 Jahren aus?

Das Thema der D-Lounge von DELA und die Bayerische

→ 07. Dezember 2022. 18:00 Uhr. Live aus der DELA-Zentrale in Düsseldorf

Unsere Gäste:

Miriam Höller, Speakerin, Model, Unternehmerin und Ex-Stuntfrau, hat in vielen Ländern gelebt und gearbeitet und sagt: Ohne Risiken einzugehen, gibt es keine Veränderung, Edwin Brouwers, Betriebswirtschaftler, Wirtschaftsprüfer und seit 2021 Direktor bei DELA, spricht mit uns über die Chancen und Grenzen von New Work , Stefanie Weidner, zuständig für Unternehmensentwicklung und Corporate Innovation beim Kölner Maklerbetrieb GründerFinanz, sagt, digitale Strukturen und Plattformen ermöglichen der Branche immer mehr ortsunabhängiges Arbeiten, Franziska Zepf,Geschäftsführerin von PremiusMakler und www.die-gründerinnen.de und weit gereiste Social Media Expertin, erzählt uns von ihrem eigenen aussergewöhnlichen Work and Travel-Lifestyle, Patrick Hamacher, Geschäftsführer von ‘Was-ist-Versicherung.de’ und ‘Hamacher Versicherungsmakler’ gibt uns interessante Einblicke in die spezielle Existenz- und Ausgabenabsicherung von Digitalen Nomaden, Florian Dismann, Geschäftsführer von Finanzmakler Bodensee Konzept GmbH und Buchautor, ging mit Experten aus Employer Branding, Leadership und Unternehmenskultur der Frage nach, wie Unternehmen dem Fachkräftemangel aus eigener Kraft entgegentreten.

Unsere Moderatoren:

Dr. Rainer Demski (NewFinance) und Walter Capellmann (DELA) freuen sich auf spannende Gäste. Viel Stoff zum Diskutieren. Seid gespannt! 

Das ist die D-Lounge
Viermal im Jahr. Vier Städte. Vier Themen. Über 30 Speaker. Wie immer im Fokus: Aktuelle Themen, die die Branche beschäftigen. Das Besondere an unserem beliebten Feierabend-Talk. Vermittler können vor Ort oder virtuell an der D-Lounge teilhaben. Jeweils 20 Plätze sind verfügbar. Online natürlich unbegrenzt. Am 07. Dezember heißt es Willkommen zur Lounge „New Work“ im DELA-Hauptquartier Düsseldorf.

Hier kostenfrei zur D-Lounge anmelden:

An jedem Termin der D-Lounge freuen wir uns, die ersten 20 Interessenten als Gäste vor Ort begrüßen zu dürfen.

Titelbild: ©Patrick Hamacher