Nebenwirkungen inklusive: Nicht nur Reisemedikamente bergen Risiken

Medikamente Nebenwirkungen

Kaum etwas wird derzeit so hitzig diskutiert wie die gefährlichen Nebenwirkungen des Corona-Impfstoffs. Der in Rekordzeit auf den Markt gebrachte Wirkstoff kann in sehr seltenen Fällen (weniger als 0,01 Prozent) Blutgerinnsel und eine verringerte Anzahl der Blutplättchen sowie Blutungen verursachen. Die Verunsicherung bei Interessierten ist entsprechend groß. Doch gleichzeitig gibt es Medikamente mit ebenso gefährlichen Begleiteffekten, die aber ohne großes Zögern eingenommen werden. Wir werfen einen Blick auf die Risiken und Nebenwirkungen.

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) greifen Magenschleimhaut an

Wer Schmerzen lindern möchte, greift schnell zu bekannten Medikamenten wie Ibuprofen und Diclofenac. Es handelt sich um Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), welche ein für die Schmerzentstehung verantwortliches Enzym namens Cyclooxygenase hemmen. Dieses ist allerdings ebenfalls notwendig für die Instandhaltung von Darm- und Magenschleimhaut. Das Medikament kann deshalb zu erheblichen Schäden führen. Laut Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft sind bei “über 65-Jährigen 20 bis 30 Prozent aller Krankenhausaufnahmen und Todesfälle durch Magen- und Darmgeschwüre” auf die Therapie mit diesen Medikamenten zurückzuführen.

Säureblocker können zu Herzrhythmusstörungen führen

Zu viel Magensäure und dadurch Probleme mit Sodbrennen? Ärzte greifen gerne zu bekannten Mitteln wie Omeprazol zurück. Ein Mittel mit starken Nebenwirkungen. Denn während sich Sodbrennen schon durch eine Ernährungsumstellung regulieren lässt, führt der Säureblocker bei langer Therapie zu Magnesium- sowie Kalzium- und Kaliumdefiziten, welche Krämpfe und Herzrhythmusstörungen verursachen können.

Blutdrucksenker können heftige Immunreaktionen auslösen

Als Blutdrucksenker Nummer Eins gelten ACE-Hemmer. In ihrer Wirkung besitzen sie allerdings eine Reihe ungewollter Begleiterscheinungen. Dazu zählen Reizhusten, Wassereinlagerungen in der Haut (Angioödem) und ein erhöhter Kaliumspiegel im Blut. Noch länger ist die Aufzählung der Nebenwirkungen beim Mittel der Kalziumantagonisten. Zehn Punkte wie Herzklopfen, Kopfschmerzen bis hin zu sexueller Funktions- oder Potenzstörung zählt die Liste. Zudem warnen Krankenkassen und Ärztekammern vor Reaktionen mit dem Gichtmedikament Allopurinol. Patienten erlitten laut Fachliteratur einen anaphylaktischen Schock und teilweise verkrampften sogar die Herzkranzgefäße.

Allheilmittel Antibiotikum verantwortlich für Resistenz

Ähnlich gravierende Nebenwirkungen zeigen sich auch bei Betablockern zur Behandlung von Bluthochdruck und Herzproblemen, Statinen als Mittel gegen Stoffwechselstörung, Schilddrüsenmedikamenten und der Verabreichung von Antibiotika. Letzteres ist wohlwissend hauptverantwortlich für die Ausbildung multiresistenter Bakterienstämme. Ebenfalls kann Antibiotikum Allergien, Pilzinfektionen und eine Schwächung der Darmflora zur Folge haben. Inzwischen nimmt die Zahl der verschriebenen Therapien mit Antibiotikum allerdings ab. Laut einer Studie einer großen Krankenkasse erhält nur mehr jeder Fünfte ein Rezept für das Medikament. Vor zehn Jahren lag die Zahl höher: Jeder Dritte bekam es verschrieben.

Tropische Reisemedikamente und ihre Nebenwirkungen

Aber nicht nur gängige “Alltags”-Medikamente können ungewollt heftige Nebenwirkungen entwickeln. Wer häufig in Risikogebiete reist, wird dieses Medikament in seiner Reiseapotheke sicherlich kennen: Malaria-Prophylaxe. Notwendig für Regionen, in denen der Überträger, die Anopheles-Mücke, heimisch ist. Darunter fallen Länder im tropischen Afrika südlich der Sahara, aber auch Teile von Indien, Pakistan, Thailand, Kambodscha, Laos, Vietnam, den Philippinen und Indonesien. Wer also in diese Regionen reisen und das Risiko einer Malariainfektion nicht eingehen möchte, kommt um präventive Medikamente nicht herum. Denn eine Impfung ist derzeit noch nicht möglich.

Laut der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Globale Gesundheit (DTG) gibt es drei Medikamente, die als Prophylaxe eingesetzt werden: Atovaqoun/Proguanil, Mefloquin und Doxycyclin. Ihre Nebenwirkungen können Reisende zur ungewollten Pause zwingen. Denn der Hersteller warnt unter anderem vor Übelkeit, Verdauungsstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Herzklopfen, Schlaflosigkeit, ungewöhnlichen Träumen und Depressionen, Angstzustände, Unruhe und Verwirrtheit. Besonders ärgerlich äußern sich die Nebenwirkungen des Antibiotikums Doxycylin: Neben einer Empfindlichkeit gegenüber UV-Licht – in Regionen nahe des Äquators äußerst unangenehm -, gehören auch Geschwüre in der Speiseröhre sowie Scheidenpilz und erhöhte Leberwerte zu den Risiken. Dennoch greifen Reisende immer wieder zu Medikamenten mit solch gravierenden Nebenwirkungen zurück.

Dienstreisen in Corona-Risikogebiete

Doch wie sieht es abseits der regulären Risikogebiete aus? Trotz strenger Beschränkungen ist die Reisebereitschaft hoch. Und welche Mechanismen greifen, wenn jemand geschäftlich in Corona-Risikogebiete reisen muss?

Als Risikogebiete gelten Länder mit einer Hochinzidenz und einer Verbreitung von Virusvarianten. Grundsätzlich aber sind Dienstreisen in solche Gebiete erlaubt. Einen wichtigen Anhaltspunkt bieten die bestehenden Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes. Geschäftsleute erwarten bei der Einreise aus Risikogebieten eine digitale Einreiseanmeldung, einen Covid19-Test sowie die Pflicht zur Quarantäne nach der Rückkehr beziehungsweise einen negativen Coronatest. Im Falle einer erfolgten Impfung muss der Reisende den Nachweis erbringen. Das gleiche gilt für Genesene. Einen Überblick bietet das Gesundheitsministerium.

In tropischen Gebieten droht nicht nur Covid-19

Für Dienstreisen nach Brasilien beispielsweise müssen Reisende bei der Einreise einen negativen PCR-Test vorweisen, der nicht älter als 72 Stunden alt sein darf. Zudem ist eine ausgefüllte Gesundheitserklärung der brasilianischen Behörden notwendig. Brasilien gilt derzeit als Virusvariantengebiet und somit als Risikogebiet. Wer zusätzlich in ein Malariagebiet einreist, muss sich nicht nur vor Covid19 schützen, sondern sollte zudem eine Ansteckung mit dem Malariavirus oder anderen tropischen Krankheiten vermeiden.

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) rät Arbeitgebern angesichts der aktuellen Lage bei notwendigen Geschäftsreisen jegliche Risiken vorab zu klären: Wer übernimmt die Kosten einer eventuellen Evakuierung unter Infektionsschutzbedingungen? In die Entscheidungen sollten auch Betriebsärzte einbezogen werden.

Wer sich das Risiko einer Auslandsreise ersparen möchte, kann sich virtuell an die schönsten Ort der Welt bringen. Und Weltreisen wie früher wird es auch irgendwann wieder geben.

Titelbild: © Sutipond Stock/stockAdobe.com

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