Konzipiert, um schnell zu sein: Die Risiken beim Rennradfahren

Rennrad Risiko

23 Millimeter, 50 Stundenkilometer schnell und meist nicht schwerer als neun Kilogramm: Das Rennrad fasziniert seit einigen Jahren mehr und mehr Outdoorsportler und findet auch im Stadtbild immer häufiger Einzug. Doch die Schnelligkeit, die solch ein Rad mit sich bringt, kann nicht jeder beherrschen. Fahrradunfälle und Kollisionen mit anderen Verkehrsteilnehmern sind die Folge. Wir werfen einen Blick auf die Faszination und Gefahren des Rennradfahrens.

Das Rennrad wird immer alltagstauglicher

Die Corona-Pandemie hat das Fahrrad für viele Menschen wieder mehr in den Fokus gerückt. Und auch das Rennradfahren hat als Sportgerät einen Aufschwung erlebt. Je breiter die Interessen der Sportler wurden, desto mehr passte sich die Optik dieser Räder an. Einst möglichst leicht, möglichst schmale Reifen und mit prägnantem Rennlenker, muss das Rad heute auch im Alltag dienen und komfortabel sein. Ergebnis: Gravelbikes – eine Mischung aus Rennrad und Mountainbike. Eines bleibt jedoch gleich: Die Geschwindigkeit, die ein Radfahrer damit erreichen kann, liegt weit über der eines Trekkingrads. Gerade für Einsteiger ein hohes Risiko.

Martin Eberhard, Gründer des nach ihm benannten Finanzberatungsunternehmens aus Augsburg, kennt die Freuden und Risiken, die das Rennrad mit sich bringt. “Das Rennradfahren verbindet unterschiedliche Berufsgruppen”, schildert er. “Auch überregional hat sich eine richtige Community entwickelt.” Gemeinsam fahren dann Mauerer, Studenten, Juristen oder eben Finanzberater gemeinsam Kilometer um Kilometer und Höhenmeter um Höhenmeter. Um die Fahrten zu koordinieren, hat Eberhard schon vor einigen Jahren in Augsburg eine Gruppe gegründet.

Die Sicherheit geht vor: Helmpflicht im Rennsport

Aber nicht, ohne vorher auf die Risiken hinzuweisen: “Jeder Rennradfahrer sollte im Idealfall über eine ausreichende Haftfplichtversicherung und Unfallversicherung verfügen”, steht eindrücklich für Neuzugänge auf der Website. Und auch eine gute Versicherung für das Rad sowie eine Berufsunfähigkeitsversicherung können in manchen Fällen hilfreich sein. Die Sicherheit geht vor. Ohne Helm darf bei der Gruppe sowieso niemand mitfahren. Etwa 100 Touren und zwischen 5000 und 10.000 Kilometer legen die Radsportler jährlich zurück.

Die sportliche Erfahrung des Finanzberaters zeigt sich schnell im Gespräch. Das Rennrad birgt auch ein gewisses Risiko, dessen sind sich Radsportler bewusst. Eines liegt für Martin Eberhard im falschen Selbstbild. “Anfänger überschätzen sich”, sagt er. Zu lange Strecken, zu viele Höhenmeter, zu riskante Streckenprofile. Dazu gehören unter anderem Touren in den Bergen, wo selbst Anfänger durchaus mehr als 50 Stundenkilometer erreichen können. Dadurch steigt die Gefahr, sich und andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr zu bringen. Das zeigt auch die aktuelle Unfallstatistik des Statistischen Bundesamtes. Im Jahr 2019 starben mehr als 250 Menschen durch einen Fahrradunfall – jedoch zählen in die Statistik auch E-Bikes hinein, welche die Zahlen kräftig in die Höhe treiben.

Ohnehin stellen für den Finanzexperten weniger Rennradfahrer als vielmehr Pedelecs das größte Risiko dar. Besonders unerfahrene “E-Bikefahrer können die Geschwindigkeit nicht gut einschätzen” und seien teilweise schlecht vorbereitet, kritisiert er. Diese Vermutung legt auch die Statistik der Deutschen Verkehrswacht nahe. Die Zahl der tödlichen Unfälle mit einem E-Bike ist 2020 um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Insgesamt sind die Straßen in der Pandemie aber sicherer geworden. Die Zahl der Verkehrstoten hat sich auf einem niedrigem Niveau eingependelt. Im Februar 2021 starben so wenige Menschen (128) im Straßenverkehr wie noch nie in einem Monat seit der deutschen Vereinigung.

Eine gute Vorbereitung ist für Einsteiger wichtig

Um sich nicht in Gefahr zu bringen, rät Martin Eberhard deshalb Einsteigern, sich gut vorzubereiten. “Sie sollten sich eine vernünftige Ausrüstung zulegen, diese regelmäßig von einem Experten überprüfen lassen, sich unbedingt an die Verkehrsregeln halten und sich sichere Radwege oder unbefahrene Straßen aussuchen.” Denn in der unterschiedlichen Geschwindigkeit der Verkehrsteilnehmer ergeben sich weitere Risiken: Der Rennradfahrer teilt sich mit Pedelecs, gemütlichen Trekkingbikefahrern und Familien mit Kindern die Wege. Gegenseitige Rücksichtnahme ist essenziell. Um die gefährliche Enge im Vorhinein zu vermeiden, rät er eher im ländlichen Raum zu Fahrradtouren. “Lieber mit dem Auto ein paar Kilometer aus der Stadt rausfahren und dann starten.”

Aber auch dort gibt es Gefahrenstellen: Uneinsehbare Kurven, Autofahrer, Motorradfahrer, Landwirtschaftlicher Verkehr, schlechte Sicht- und Lichtverhältnisse an Waldstücken, verdreckte Straßen an Äckern, fehlende Radwege an Schnellstraßen – ein Unfall ist schnell passiert. Martin Eberhard hat deshalb seinen Helm mit einem GPS-Sender ausgestattet, das im Notfall ein Signal sendet. “Lieber beim Helm ein paar Euro mehr ausgeben”, rät er.  Sportler sollten nicht auf Kosten der Sicherheit sparen.

Hip, hipster: Das Rennrad im Stadtverkehr

Der Trend, dass Rennrad im Stadtverkehr als Alltagsrad zu verwenden, ist besonders in deutschen Großstädten schon vor Jahren angekommen. Das Modell – meist so alt wie der Fahrer selbst – wird für viele zum modischen Accessoire. Geeignet sei ein Rennrad für den Stadtverkehr jedoch weniger, sagt Eberhard. Schienen, Schlaglöcher und Kopfsteinpflaster stellen für die dünnen Reifen Herausforderungen dar. Die fahrradunfreundliche Infrastruktur – Baustellen, ungünstige Ampelschaltungen und zu schmale Radwege – führen zudem bei der wachsenden Zahl an Fahrradfahrern zu gefährlichen Situationen im Straßenverkehr.

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Titelbild: © chettythomas/stockAdobe.com

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