Jobs am Limit: Attentate und Anti-Terror

Sicherheitsfirma: Anti-Terror und Attentate im Alltag
Schwebende Terrorgefahr und mehr Gewalt. Damit muss sich eine private Sicherheitsfirma 2019 auseinandersetzen

Von A wie Alarmverfolgung bis Z wie Zugangskontrolle: Die Aufgaben einer Sicherheitsfirma sind enorm breit gefächert. Die Anforderungen an das Personal werden immer heftiger. Trotz der hohen Risiken und Gefahren, die das Berufsbild mit sich bringt, boomt die Branche in Deutschland seit vielen Jahren. Schwebende Terrorgefahr, erhöhtes Gewaltpotential bei Veranstaltungen und strengere Sicherheitsauflagen lassen Sicherheitsfirmen wie Pilze aus dem Boden schießen. Laut Angaben des Bundesverbandes der Sicherheitswirtschaft hat sich der Gesamtumsatz der Branche seit 2009 auf rund 8,5 Milliarden Euro beinahe verdoppelt. Aber was gehört wirklich zu den Aufgaben von Wachleuten, und welche Risiken treffen Beschäftigte und Unternehmer im Sicherheitsgewerbe?

Security, Türsteher, Sicherheitsfirma, Nachtwächter, Bodyguard – der Job, außerhalb des Polizeidienstes zuständig zu sein für die Sicherheit von Menschen und Objekten, hat viele Namen. Laut Statista tummeln sich über 5000 Sicherheitsunternehmen auf dem deutschen Markt – mit mehr als einer viertel Million Mitarbeitern. Egal ob im Bad in der Menge, auf Feiern und Veranstaltungen oder ganz individuell als Personenschützer der Stars: Wer für eine private Sicherheitsfirma arbeitet, braucht Nerven aus Stahl.

Wenn Attentate Alltag werden

Erst vor wenigen Monaten schaute die Welt erneut geschockt nach Köln, als ein bewaffneter Mann im Hauptbahnhof einen Molotowcocktail zündete. Anschließend verschanzte er sich mit einer Geisel in einer Apotheke. Einen Monat später wurde mit 1.000 Sicherheitskräften die größte Übung im Anti-Terror-Einsatz des Kölner Flughafens durchgeführt. Im Dezember erfolgte ein islamistisches Attentat auf einem Straßburger Weihnachtsmarkt. An Silvester messerte ein politisch-motivierter Angreifer drei Menschen in Manchester nieder, während ein Rechtsextremer in Bottropp und Essen in eine Menschenmasse fuhr.

Job am Limit: First Responder

In vielen Fällen, so wie in Manchester, sind es dann Wachleute, die als erste zur Stelle sind. Noch bevor die Polizei eintrifft, müssen sie in hochbrenzligen Situationen schnell und professionell reagieren, Gefahren von Personen oder Objekten abwehren und sich mit Gewaltbereiten auseinandersetzen.

Der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft veröffentlichte eine Pressemeldung, nach der allein die Notruf- und Serviceleitstelle der All Service Sicherheitsdienste GmbH in Frankfurt a.M. im Jahr 2018 311.000 Alarmmeldungen verzeichnet hatte.

„Bei einem Hausnotruf kann es um Menschenleben gehen. […] Permanent schulen wir unsere Fachkräfte aktiv über das Ausbildungszentrum“

Peter Haller, geschäftsführender Gesellschafter der All Service Sicherheitsdienste

Zwischen Schlichtung und Schlägerei

Dabei lautet die oberste Devise, stets einen kühlen Kopf bewahren. Deeskalation heißt das Zauberwort, also das Vermeiden von Gefahren- und insbesondere Gewaltsituationen. In der Theorie klingt das logisch, doch in der Praxis ist es für Mitarbeiter privater Sicherheitsfirmen eine Zerreißprobe. Nicht selten müssen sie Auseinandersetzungen schlichten oder unwillkommene Regeln durchsetzen, während sie beschimpft und bedroht werden.

Gefahrentraining: Kampfsport und Schusstraining

Neben Häme und Spott sind Wachleute aber immer wieder auch non-verbalen Aggressionen ausgesetzt. Vom Chef bis zum Angestellten schulen Sicherheitsfirmen ihre Mitarbeiter daher für körperliche Einsätze und den Notfall in Selbstverteidigung, Nahkampf und den Dienst an der Waffe. Der Einsatz ist hart. Wer bestehen will, muss härter sein.

Eine Boom-Branche

Trotz der strengen gewerblichen Auflagen und des hohen persönlichen Risikos wächst die Branche in Deutschland weiter an. Die Bundeszentrale für Politische Bildung stellte schon vor einer Dekade fest, dass private Sicherheitsdienste in großem Umfang Aufgaben des Personen- und Objektschutzes übernehmen. Sogar öffentliche Ordnungsdienste gehören dazu. 170 000 privat Beschäftigte standen 2010 einer stetig abnehmenden Anzahl von 250.000 Polizisten entgegen. 2018 ist das Verhältnis noch unausgeglichener. Daraus ergibt sich für Unternehmer genauso wie für Politikwissenschaftler die Gretchenfrage: Handelt es sich bei einer Sicherheitsfirma vorrangig um ein Gewerbe, oder primär um einen Sicherheitsakteur?

Harte Schale, weicher Kern

Hinzu kommt: Um in der Branche zu bestehen, reichen Muskeln nicht aus; eine Sicherheitsfirma braucht Personal, das jede Menge Einfühlungsvermögen, eine gute Menschenkenntnis sowie ein selbstsicheres Auftreten mitbringt. In einer Liste von Soft Skills, die gutes Wachpersonal ausmachen, stellte die Bundesagentur für Arbeit insbesondere kommunikative Qualitäten und Stärken auf dem Bereich der psychischen Belastbarkeit heraus.

Vom Doorman zum Szene-Fotografen

Das beste Beispiel hierfür sind Türsteher-Legenden wie Constantin de Beauclair, vulgo Conny, wie er im Szene-Wien liebevoll genannt wurde. Von den Gästen geachtet und eng befreundet mit Stars wie Falco, leistete er durch sensitive Gästeauswahl seinen Beitrag zur Weltweiten Bekanntheit des U2. Heute nutzt er seine VIP-Kontakte, um sich als Szene-Fotograf einen Namen zu machen. Eine ähnliche Biographie hat auch Sven Marquardt. Einst Symbolfigur des Berliner Nachtlebens, stellt der Kult-Türsteher des Berghains heute auf der ganzen Welt seine Fotografie aus.

Neue Tätigkeitsfelder

Die wilden Zeiten der 80er sind vorbei. Heute hat das Aufgabenspektrum und demzufolge die Unternehmensstruktur privater Sicherheitsdienstleister einen deutlichen Wandel vollzogen: Standen vorher Dienstleistungen wie Objektschutz oder Pförtnertätigkeiten im Vordergrund, machen zunehmend spezialisierte Tätigkeiten wie der Schutz von AKWs, der WM oder krisenerprobten Botschaften das Berufsbild aus. Der Job wird zunehmend individueller. Beim Einsatz in Nischen-Fachbereichen wie Datenschutz oder Flüchtlings- und Asylunterkünfte, bleibt die Arbeit in einer Sicherheitsfirma so abwechslungsreich wie fordernd.

Ansatzpunkte für die Vorsorgeberatung

Unser Branchen-Einblick zeigt: Sowohl Beschäftigte als auch Unternehmer in der Sicherheitswirtschaft sind einem ganz besonderen Risikoprofil ausgesetzt. Gerade für sie ist daher eine individuelle Vorsorgeberatung geboten. Je nach Einsatzgebiet und Einsatzort gilt es, maßgeschneiderte Lösungen zu ermitteln und anzubieten. Neben dem aufwendigen Thema der Betriebshaftpflicht steht hier auch die persönliche Absicherung von Leib und Leben im Fokus.

Titelbild: © Jag_cz / Fotolia.com

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