10.000 Schritte am Tag für ein gesundes Leben?

10.000 Schritte am Tag machen gesund?
10.000 Schritte am Tag für ein gesundes Leben. Wie hilfreich sind Apple-Watch und Co?

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ie neue Trend-Zauberformel lautet 10.000 Schritte am Tag für ein gesundes Leben. Die magische Schrittgrenze haben sich indes viele Menschen gesetzt. Sie ist quasi der neue Apfel am Tag, der den Doc fernhält. Auf dem Fitbit oder der AppleWatch verfolgen Selbstoptimierer gespannt den Fortschritt. Aber stimmt das eigentlich? Wie gesund ist es, sich selbst zu quantifizieren?

Der Zwang zur Selbstoptimierung führt zuweilen zum Wahn(sinn), Dr. Michael Madel im Aerzteblatt.

Denn der relativ neue Fachbegriff meint nicht nur die Erwartungshaltung, stückweise körperliche Selbstoptimierung zu betreiben, sondern vielmehr das Streben nach Perfektion auf allen Bereichen mithilfe technischer Gerätschaften. Quantified-Self heißt die kontroverse Bewegung, die die einen alarmiert und die anderen begeistert.

Contra

Kritiker sehen schon jetzt negative Folgen im Verhalten von Menschen, die sich von digitalen Technologien bevormunden lassen. Ihrer Meinung trägt Quantified-Self, besonders bei Jungen Leuten, zu mehr Stress bei. Denn sobald eine Sache „optimiert“ wurde, lässt die nächste Aufgabe nich lange auf sich warten. Und anstatt die daraus entstandenen Vorteile zu genießen, droht die immer länger werdende To-Do-Liste bereits mit neuen Fristen. Darüber hinaus sehen sie eine Gefahr für den Datenschutz der Nutzer von Gesundheits-Apps und -Programmen.

Pro

Befürworter hingegen frohlocken angesichts der Großen Auswahl an Tools und Gadgets, die versprechen, das Leben effizienter und gesünder zu machen. Sie sehen bei der Selbstoptimierung weniger die Verbotsseite, sondern konzentrieren sich auf das befreiende Gefühl eines wiederbelebten Minimalismus. Schwierige Aufgaben, wie die 10.000 Schritte am Tag, sehen sie nicht als zusätzliche Belastung, sondern ganz positiv als Herausforderung. Von Big Data der Quantified-Selfs erhoffen sie sich vor allem Fortschritte auf dem Bereich der Telemedizin, die letztendlich Ärzte wie Krankenkassen entlasten würde und allen zugute käme.

Innovation heute

Tatsächlich ist die Technologie auf dem Bereich der Selbstoptimierung bereits weit fortgeschritten. So stellte etwa das US-Amerikanische Versicherungsunternehmen Aetna und Tech-Riese Apple erst vor wenigen Tagen eine in Kooperation entwickelte App vor, die den Trend zur Individualisierung in der Versicherungsbranche weiter voran treiben dürfte. Es sei die erste App ihrer Art, die die Krankengeschichte des Nutzers mit den ausgewerteten Daten der Apple Watch kombiniert und darauf basiert personalisierte medizinische Empfehlungen ausspricht.

Visionen in greifbarer Nähe

So könnten das Handy oder die Armbanduhr in naher Zukunft passgenau darüber informieren, welche Impfung aufgefrischt werden muss. Dank des Internets der Dinge können die Gadgets dann darüber hinaus gleich mit dem Kühlschrank kommunizieren und eine neue Einkaufliste erstellen. Diese würde natürlich einen ausgewogenen, auf den Konsumenten persönlich ausgerichteten Ernährungsplan berücksichtigen. Wird der wiederum eingehalten und ab und an fleißig Sport getrieben, gibt es Bonuspunkte bei der Krankenkasse. Nudging lässt grüßen.

Jede Neuerung birgt Gefahren

Obwohl laut einer Studie von Telefonica tatsächlich bereits 21 Prozent der Unternehmen mit Technologien wie dem Internet of Things arbeiten und Selbstoptimierung ein großes Potential auch für die Wirtschaft verspricht, sieht fast die Hälfte gleichzeitig noch die deutlichen Gefahren von Big Data. Etwa durch Hacker. Der Chaos Computer Club warnte unlängst vor Cyber-Attacken und Medienbrüchen zwischen kollaborierenden Akteuren wie Ärzten, Apotheken und Krankenkassen. Insbesondere bei den sensiblen Gesundheitsdaten ist die Angriffsfläche groß.

Das Fazit

An den Medienbrüchen müssen Unternehmen weiter konsequent arbeiten, um den Schutz der Gesundheitsdaten ihrer Verbraucher zu gewährleisten. Von der medizinischen Seite ist Selbstoptimierung, genau wie alles andere in unserem Universum, in Maßen gesund. Gut, die 10.000 Schritte am Tag sind ein Mythos, der auf eine japanische Marketing-Kampagne der 1960er-Jahre zurückgeht. Aber schaden kann ein Schrittzähler sicher nicht, immerhin empfehlen Weltgesundheitsorganisation und das Bundesministerium für Gesundheit unisono mehr Bewegung für die Deutschen.

Spätestens wenn das Quantified-Self regelmäßig zur psychischen Belastung wird, wurde zu viel „optimiert“. Es kommt darauf an, realistische und Gesunde Ziele für eine Selbstverbesserung zu definieren, die zu jedem persönlich passen. Dabei können offline-Ärzte und -Apotheker immer noch am besten helfen.

Titelbild: © ysbrandcosijn / Fotolia.com

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