Jobs am Limit: Auf Tauchstation unter extremen Bedingungen

Taucher

Im Hochsommer stellt sich wohl jeder gerne eine Abkühlung im kalten Nass vor. Mit Leuten, die beruflich abtauchen, möchten dennoch wohl die wenigsten tauschen. Denn was nach Freizeitvergnügen klingt, zählt in Wahrheit oft zu den gefährlichsten Jobs. Wir zeigen, wo Berufstaucher Gesundheit und Leben riskieren. Vom offenen Meer bis hin zum Klärbecken.

(K)Ein Job für Spürnasen: Kläranlagentaucher

Die Vorstellung, unter Wasser zu sein und kein Luft zu bekommen, mag den einen oder anderen bereits genug abschrecken. Eine Nummer extremer: das Tauchen in Abwasser, ohne Sicht und in dickflüssiger Masse. Die Berufsbezeichnung hierzu lautet Kläranlagentaucher. Sie kommen zum Einsatz, wenn Teile der Klärbecken zu reinigen oder reparieren sind, ohne diese dabei trocken legen zu müssen. Das Arbeitsumfeld macht den Job vergleichsweise unbeliebt, die Bezahlung dafür umso besser. Laut Express verdienen Klärschlamm-Taucher etwa 600 Euro täglich. Da die Anzüge luftdicht verschlossen sind und die Luft aus der Tauchflasche kommt, ist es tatsächlich für den Taucher selbst kein stinkender Job, umso unangenehmer ist es allerdings für die Nasen derer, die ihren Kollegen nach dem Tauchgang dekontaminieren müssen.

Sollte der Taucher jedoch einmal mit dem Abwasser in Berührung kommen, droht höchstes Vergiftungsrisiko. Laut Tauchunternehmen.de ist das Abwasser bakteriell kontaminiert. Absolute Dichte des Taucheranzuges und des Helmes sind daher überlebensnotwendig. Beim Faulturmtauchen bestehen zudem Temperaturen von etwa 37°C. Üblicherweise sind Taucher auf kalte Gewässer trainiert. Ein weiterer Gefahrenpunkt: die Dekompressionskrankheit bei zu schnellem Auftauchen. Der Beruf ist daher nichts für klaustrophobisch Veranlagte. Dies kann laut Umwelttauchservice bei manchen Menschen ein Unwohlsein auslösen und die Arbeit unmöglich machen.

Aus Sicht der Umwelt gesehen ist dies übrigens ein guter Job. Denn: Dass das Abwasser sich nur langsam durch Bakterien zersetzt, dadurch Bestandteile beschädigt oder verstopft, bedeutet im Umkehrschluss auch, dass keine giftigen Chemikalien zum Einsatz kommen.

Sie strahlen bei der Arbeit: Nukleartaucher

Eine nicht minder sichere Tauchausrüstung benötigen Nukleartaucher. Sie tauchen laut bluemind.tv zwar in sehr klaren Gewässern, diese werden allerdings zur Kühlung von Atomreaktoren benutzt. Der Tauchanzug enthält Kühlelemente, sowie Strahlenmessgeräte, die die Strahlendosis während des Tauchgangs stetig kontrollieren. Ebenfalls Teil der Ausrüstung: Ein wasserdichter Nuklearhelm.

Die Ausbildung des Nukleartauchers setzt – wie auch bei allen anderen Berufstauchern – eine zweijährige Grundausbildung voraus. Hier werden Kenntnisse zu den Geräten, Medizin und rechtlichen Vorschriften erworben. Anschließend erfolgt eine Spezialisierung für das zukünftige Berufsfeld.

Handwerk im offenen Meer: Die Tauch-Elite

Laut Geo gibt es weltweit nur einige Hundert Elitetaucher. Sie kommen zum Einsatz, wenn eine Pipeline unter Wasser leckt, Schiffwracks geborgen werden oder eine Ölplattform stabilisiert werden muss. Eine der wenigen Tauchschulen in Europa, die diese Spezialisten ausbildet, ist eine Tauchschule im französischen Marseille: INPP – das „Institut für professionelles Tauchen“. Da die Taucher beinahe ausschließlich unter Extrembedingungen – Tauchgänge in 200 m Tiefe sind die Norm – ihr Handwerk ausüben, mustert bereits das Institut aus. Nur wer gesundheitlich fit ist, darf daher die Ausbildung absolvieren.

Auch hier ist eine einwandfreie Ausrüstung Pflicht. Zwischen zwei Schichten Neopren schlängelt sich ein Gummischlauch, durch den warmes Wasser fließt. Während ihrer Einsätze kann es vorkommen, dass die Taucher mehrere Wochen in einem Stahlcontainer verbringen müssen. Diese sind ausgestattet wie ein „normaler“ Wohnraum, hält jedoch den Körper unter stetigem Druck. Nach abgeschlossenem Auftrag wird nach und nach die Luft aus der Kammer abgelassen, um keinen tödlichen Überdruck und in Folge ein Zerreißen der Lungen zu riskieren. Ein risikoreicher, aber dennoch spannender Job.

Tauchlehrer

All diese Berufe gäbe es nicht, würden erfahrene Taucher keine Schüler ausbilden, denen sie ihr Wissen vermitteln. Doch auch Tauchlehrer aus dem Freizeitsport sollten sich gut absichern. Spezialist für Taucher Timo Vierow – Tauch.Versicherung – ist selbst Hobbytaucher und kennt die Risiken. Er stellt jedoch klar:

„Ich würde das Wort Risiko gerne durch herausfordernd ersetzen. Der Tauchlehrer soll sowohl Theorie als auch Praxis vermitteln. Es steht jedoch der Spaß im Vordergrund, der durch den Tauchlehrer vermittelt werden soll. Allerdings ist aber auch Ernsthaftigkeit gefragt. Es gibt Dinge zu beachten, damit Taucher diesen schönen Sport sicher ausüben können und unvorhergesehene Situationen beherrschen.“

Um gut abgesichert zu sein, bedarf es einer Tauchlehrerhaftpflichtversicherung. Diese muss der Lehrende beim Verband für den er ausbildet vorlegen. Dadurch erlangt er den aktiven Ausbilderstatus. Die Haftpflichtversicherung gibt es laut Vierow über die großen Assistancen sowie Verbände.

„Wir arbeiten hier seit mehreren Jahren mit einigen Verbänden zusammen und haben momentan den umfassendsten Schutz für Tauchlehrer aus Europa über diese Verträge“, erklärt Timo Vierow.

Zudem gilt es zwischen einer Tauchbasis und dem Tauchlehrer zu unterscheiden. Denn: Die Tauchbasis muss zusätzlich das Betriebsstätten-Risiko absichern, sollte durch einen freiberuflichen Tauchlehrer Schaden entstehen.
Auch hier gibt es mehrere Feinheiten, die zu beachten sind. Beispielsweise, wenn ein Tauchlehrer keinen eigenen Haftpflichtversicherungsvertrag hat. Hier ist die Tauchbasis gut beraten, wenn sie dieses Risiko für sich mit abgedeckt hat, gerade in Basenbetrieb mit häufiger Mitarbeiterfluktuation.

Titelbild: © JCH_Stop Motion/stock.adobe.com

Über unseren Experten

Für Timo Vierow und sein Team von Tauch.Versicherung, steht das Tauchen ebenso wie der Taucher selbst im Mittelpunkt. Vierow ist der Spezialist, wenn es um das Thema Tauchen und Versicherung geht. Er vereint als passionierter Hobbytaucher die Leidenschaft zum Tauchen und über 20 Jahre Erfahrung in der Versicherungswirtschaft.

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