Kein Friedhof für Kuscheltiere: Wenn tote Tiere zur Deko werden

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b als Trophäe, aus therapeutischen Gründen oder als skurrile Deko – Tierpräparation spaltet die Geister. Für die einen ist es Kunst oder eine gute Art sich an ein geliebtes Haustier zu erinnern, für die anderen ist es unangenehm, unmoralisch und unnatürlich. Doch wie genau funktioniert Taxidermie eigentlich und warum sind einige Menschen so fasziniert davon?

Marley und Ich

Während Tierpräparatoren früher fast ausschließlich von Jägern mit dem Ausstopfen ihrer Jagdtrophäen beauftragt wurden, mischen sich heutzutage auch zunehmend Privatpersonen darunter. „Die Kunden sind häufig Großstädter, die meist sehr emotional mit ihrem Tier verbunden sind”, erklärt die Berliner Tierpräparatorin Maria Bette gegenüber Express.de. Die grundlegende Methodik der Präparation ist dabei gleich. Viel Bedenkzeit bleibt jedoch nicht. Denn: „das Tier muss nach dem Tod sofort eingefroren oder direkt zu mir gebracht werden“, erklärt Bette. Für das Präparat werden lediglich Felle und Krallen verwendet. Das Innere des Tieres wird durch Schaum, Ton oder Holzwolle ersetzt. Der größte Unterscheid zwischen Haustier und Wild liegt im Gesichtsausdruck und der Pose. Die Besitzer wollen ihr Tier möglichst so nachgestellt haben, wie es wirklich war. Daher bitten die Experten häufig um ein Foto, um ein möglichst authentisches Ergebnis zu erzielen.
Ein derartig detaillierter Auftrag bedarf natürlich auch mehr Zeit als das Präparieren eines Fuchses, was dank vorgefertigter Modelle teilweise sehr schnell erledigt sein kann. Dementsprechend müssen ehemalige Hundebesitzer, die ihren besten Freund noch etwas länger um sich haben möchten, auch entsprechend tief in die Tasche greifen. Die Kosten variieren je nach Größe des Tieres. Bei einem großen Hund wie einem Labrador kann der Betrag schnell vierstellig werden.

Das Schweigen der Hunde

Die Vorstellung entspannt im Wohnzimmer zu sitzen und sich plötzlich einen Stare-Contest mit den Glasaugen des verstorbenen Hundes zu liefern mag verstörend anmaßen. Allerdings: Ein geliebtes Haustier zu verlieren kann einen schwerer Schicksalsschlag sein. Den treuen Begleiter auch weiterhin bei sich im Haus zu haben kann dabei helfen die Trauer zu überwinden. Um auf diese Art zu Trauern muss man kein Norman Bates sein. Ganz normale Menschen und auch einige Prominente möchten mehr als nur die Erinnerung an ihre animalischen Freunde behalten. Orlando Bloom hat beispielsweise das Skelett seines tierischen Gefährten in seinem Haus stehen.
Wer jedoch anfängt seinen Vierbeiner täglich zu streicheln sollte sich bewusst sein, dass er weder mit dem Schwanz wedeln noch bellen wird. Psychologen schätzen die Präparation von Haustieren als schwierig ein, da die Gefahr der Verdrängung des Todes besteht. Die ehemaligen Herrchen sollten trotzdem mit dem Ableben des Tieres umgehen und sich bewusst sein, dass hinter den Glasaugen kein Herz mehr schlägt. „Wird die Hülle zum Ersatz, vielleicht sogar zum Kuscheltier, ist die Gefahr groß, im Trauerprozess gefangen zu bleiben und emotionale Probleme zu befördern”, erklärt Trauerbegleiterin Eva Dempewolf.

Das Haus der ausgestopften Tiere

Doch manchen reicht das eigene Haustier nicht aus. Model und Tänzerin Dita von Teese ist begeistert von Taxidermie und außerdem eine selbsternannte Maximalistin – also das Gegenteil zum momentan auflebenden Trend Minimalismus. Dementsprechend sieht auch die Inneneinrichtung ihres Hauses aus. Neben Zahlreichen Bildern, Büchern, Schuhen, Kleidung und anderen Sammlerstücken, den Sachen die viele andere reiche Promis auch in ihren Anwesen horten, hat sie eine beachtliche Sammlung ausgetopfter Tiere. Das Video ihrer Haustour gewährt einen kleinen Einblick in die Sammlung. Zu sehen sind hier unter anderem Vögel, Füchse und Schwäne, aber auch ein großer Tiger und ein Hase im Anzug. Es sind jedoch nicht alle Tier im Haus ausgestopft – zumindest noch nicht. Denn: sie besitzt auch eine lebendige Katze. Ob sie sich wohl gut mit dem Tiger versteht?

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Sei kein Rowdy

Ausgestopfte Tiere werden in den Medien – beispielsweise in der Comedyserie „Scrubs“ – gerne mal als flacher Gag genutzt. Dennoch ist es wichtig im Hinterkopf zu behalten, dass es sich hier früher um ein Lebewesen gehandelt hat. Dementsprechend sollte man es auch mit dem gebührenden Respekt behandeln. Während sich die Szenen der Comedyserie grade noch als witzig bezeichnen lassen, befindet sich die „Taxidermy Cat Copter“ jenseits der Grenze des guten Geschmacks. Hierbei handelt es sich um eine ausgestopfte Katze, die zu einer fliegenden Drohne umfunktioniert wurde.

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Titelbild: © Jean Kobben/stock.Adobe.com

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