Wie Vermittler den Tag erlebten: In Erinnerung an 9/11

9/11

8.46 Uhr an der amerikanischen Ostküste. Asche und Rauch fliegen durch die Häuserschluchten der Weltmetropole New York City. Menschen flüchten panisch vor gigantischen Staubwolken, die sich später zentimeterdick auf den sonst so belebten Straßen ablagern. Elf Minuten nach dem Anschlag, 14.57 mitteleuropäischer Zeit, berichtet die deutsche Nachrichtenagentur Associated Press: „Flugzeug auf World Trade Center gestürzt“. Um 9.03 Uhr (Ortszeit) verfolgt bereits die ganze Welt gebannt an den TV- und Radiogeräten, wie eine weitere Maschine in den zweiten Turm der Twin Towers fliegt.

Am 11. September 2001 – 9/11 – starben 343 Feuerwehrleute. Mehr als 200 Menschen sprangen freiwillig aus den Fenstern in den Tod – teilweise aus dem 99. Stockwerk der zeitweise höchsten Gebäude der Welt. Insgesamt kommen fast 3.000 Menschen bei den Terroranschlägen ums Leben. Jung und Alt begreifen weltweit sofort, dass hier etwas Schlimmes passiert. Wir sprachen mit Vermittlern aus drei Generationen, wie sie die Ereignisse erlebten. Und, wie oder ob sie noch heute daran zurückdenken.

Janine Bradfisch

Janine Bradfisch
JungmaklerAward Finalistin 2020 und Geschäftsleitung der DRB Versicherungsmaklergesellschaft, Finanzmanagement, private und betriebliche Rentenvorsorge mbH, Janine Bradfisch

„Ich war damals gerade 15 Jahre alt und noch Schülerin am Gymnasium. Daher war es für mich zunächst auch ein regulärer Schultag. Mittags holte mich meine Mutter ab und wir aßen gemeinsam mit meiner Schwester zu Mittag. Nach dem Mittagessen schauten wir gemeinsam unsere übliche Sendung, als das Programm auf eine Sondersendung zu den Ereignissen in New York umsprang. Dort sahen wir als Familie live den Einsturz der Türme. Absolut schockierende Geschehnisse, die uns alle ergriffen.

Was mir von diesem Ereignis ganz besonders in Erinnerung blieb? Mein Elternhaus liegt direkt gegenüber der amerikanischen Basis in Kaiserslautern, zugehörig zur Air Base Ramstein. Wir haben an dem Tag spürbar erlebt, wie still es auf der anderen Seite wurde. Und auch in Folge änderte sich vieles. Die einst offene Kultur – beinahe jeder konnte zu Besuch kommen – ersetzte die Basis durch hohe Zäune und scharfe Kontrollen. Auch den Kinder in der Schule, mit amerikanischem Elternteil, merkte ich die bedrückte Stimmung an. Unsere Lehrer leisteten daher viel Aufklärungsarbeit zum Geschehen rund um 9/11. Ich wusste dadurch, dass etwas Schlimmes geschehen war, die Tragweite war mir zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht bewusst.

Heute denke ich in meinem Alltag nicht bewusst an die Geschehnisse des Tages zurück. Wenn sich das Datum jährt, denke ich jedoch noch immer an die Vorkommnisse von damals.“

Konrad Schmidt

Konrad Schmidt, Geschäftsführer der bbg Betriebsberatungs GmbH

„Zum Zeitpunkt von 9/11 war ich noch als Sportökonomie-Student in Bayreuth immatrikuliert. Es waren noch Semesterferien und ich erinnere mich, den Tag mit meiner damaligen Freundin – jetzigen Ehefrau – verbracht zu haben. Wir waren shoppen in der Stadt. Selbst dort haben wir unmittelbar von den Ereignissen in New York erfahren. Die Fernsehgeräten in den Geschäften übertrugen ausnahmslos die Sondersendungen zum Terroranschlag auf die Vereinigten Staaten. Parallel erhielten wir von Freunden und Verwandten, die die Geschehnisse ebenfalls verfolgten, Anrufe und SMS. Die Fassungslosigkeit war übergreifend.

Bis heute bleibt mir das Datum in Erinnerung. Besonders, wenn es jemand aktiv erwähnt. Egal in welchem Zusammenhang. Selbst, wenn es sich um Alltagspläne handelt. Der „11. September“ ruft die Bilder wieder hervor. Wie so vieles jedoch gerät selbst so ein dramatisches Ereignis viel zu schnell in Vergessenheit.“

Thorulf Müller

Thorulf Müller, Geschäftsführer derKVProfi

„2001 war ich Teil der Projektleitung „Unternehmen Gesundheit“ der DKV Deutschen Krankenversicherung AG und VICTORIA Krankenversicherung AG. Große Teile meiner Arbeit erledigte ich als alleinerziehender Vater zu dieser Zeit aus dem Homeoffice. So war ich auch an jenem 11. September nach einigen Besprechungen in unseren Kölner Büroräumen auf dem Weg nach Hause, um die Hausaufgaben meiner Tochter zu betreuen. Bereits im Autoradio erfuhr ich von den schrecklichen Ereignissen. Zuhause schaltete ich den Fernseher ein. Zunächst nur Bild, dann mit Ton. Mein erster Gedanke galt den Menschen in den Türmen. Wie muss es ihnen in dieser Situation gegangen sein? Dass es ein geplanter Terroranschlag war, wurde mir erst viel später bewusst. Bis spät in die Nacht verbrachte ich, gebannt von den Nachrichten, vor dem Fernseher. Etwas anderes habe ich an diesem Tag nicht mehr geschafft.

Medial kann die Gesellschaft dem Jahrestag auch heute nicht entgehen. Die Erinnerungen sind allgegenwärtig – und das ist auch gut so. Da es ein historisches Datum ist, hat es für sich eine große Bedeutung. Ich muss daher nicht täglich erinnert werden. Meiner Meinung nach gibt es jedoch geschichtlich bedeutendere Ereignisse, denen wir mehr Aufmerksamkeit schenken sollten. Was mich dabei auch bewegt ist, dass die relevanten Lehren aus den 9/11-Ereignissen in den USA leider nicht alle gezogen haben. Denn gerade der 11. September ist meiner Meinung nach ein Auslöser für viele Verschwörungstheorien und Misstrauen, die das Vertrauen in unsere Regierungen seither ständig erodieren lässt. Der Grundstein dieses Phänomens liegt meiner Meinung nach an diesem Datum.“

Titelbild: © Nicolas VB/stock.adobe.com

Beitragsbilder: © Janine Bradfisch, © Konrad Schmidt, © Thorulf Müller

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