Tabuberuf Bestatter: In China profitabel und dennoch verschmäht

China

In China zählt der Beruf des Bestatters zwar zu einem der zehn profitabelsten Berufe, doch auf Ansehen in der chinesischen Bevölkerung dürfen sie bisher nicht hoffen. Doch warum ist der Berufszweig ein so großes Tabu? Und wie geht die Weltmacht generell mit dem Thema Tod um?

Hohes Einkommen und dennoch kein Glück

Für die Ausbildung zum Bestatter gibt es in China spezielle Schulen, wie zum Beispiel die Tianquanjiajing Funeral Service School in Jiaxing in der Zhejiang-Provinz. Dort lernen sie das Waschen, Einbalsamieren, Auftragen des Toten-Make-Ups, das Bekleiden sowie den würdevollen Abschied von Verstorbenen. Geübt wird das oft nicht an Toten, sondern an Puppen oder anderen Studenten.

Großem Anklang erfreut sich der Berufszweig jedoch nicht. Denn: In China ist das Thema Tod etwas Schlimmes, das Volk spricht nicht darüber oder versucht das Thema zu meiden. Der Grund hat einen sprachlichen Ursprung: Da die Zahl „Vier“ im Chinesischen dem Wort für „Tod“ sehr ähnlich klingt, ist die Vier auch die chinesische Unglückszahl. Bestatter gelten somit als Unglückszeichen. Innerhalb Chinas ignoriert die Bevölkerung diese daher meist oder schließt sie schlimmstenfalls sogar aus. Folglich gestaltet sich auch die Partnersuche schwierig. Bestatter bleiben oft ein Leben lang Single und das, obwohl der Datingmarkt in China boomt. Laut Studie wird der Umsatz für Online Singlebörsen in China im Jahr 2024 bei rund 254,7 Millionen Euro liegen.

Gutes Geschäft mit dem Tod

In Peking gibt es laut Deutschlandfunk insgesamt 43 offizielle Friedhöfe. Der Platz wird hier zunehmend knapp. Selbst auf Friedhöfen am Stadtrand reicht der Platz voraussichtlich nur noch maximal vier Jahre. Andere Friedhöfe, selbst die der Kommunistischen Partei, vergeben schon keine Grabstätten mehr. Infolge des Platzmangels steigen die Grabpreise ins Unermessliche.

„In Städten wie Peking oder Schanghai kostet ein Grab mehr als 100.000 Yuan, fast 13.000 Euro. Auf den Quadratmeter gerechnet ist das teurer als eine Immobilie. Auf dem sehr beliebten Tianshou-Friedhof kosten die teuersten Gräber etwa eine Million Yuan“, sagt Liu Peng, Chef einer der größten Beerdigungsinstitute in Peking.

Die Toten kämpfen dadurch mit den Lebenden um Land. Die Regierung ist daher bemüht, alternative Bestattungsmethoden attraktiv zu machen. Schon Staatsgründer Mao Zedong empfahl seinen Landsleuten in den 50er-Jahren die Feuerbestattung. Auch aus kulturellen Gründen sind hier jedoch noch einige Chinesen skeptisch. Die Lösung soll nun ein Fünfjahresplan bringen. Der Gesetzesentwurf schreibt vor, dass Urnengräber nur noch einen halben Quadratmeter groß sein dürfen.

Alternativen der Bestattungsbranche

Um dem Platzmangel aktiv entgegenzuwirken, und Ackerboden zu sparen, steigt in China das Bedürfnis nach Öko-Bestattungen. Dabei vergraben Bestatter die Asche oder Urne der Toten in der Erde und setzten auf der Grabstätte eine Pflanze ein. Ebenfalls auf dem Vormarsch: die Seebestattung.

Titelbild: © Dmitry Rukhlenko/stock.adobe.com

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