Die Tradition lebt: Die letzten Klageweiber in Rumänien

Klageweiber_Rumaenien
goodbye or parting background, farewell, woman waving hand in the field

Die Tradition der Klageweiber gibt es nicht nur – wie im einem früheren Beitrag dargestellt – in afrikanischen Ländern wie Äthiopien. Auch in anderen Ländern bleibt die Tradition erhalten. So finden sich in Griechenland und Taiwan noch sehr vereinzelt Frauen, die dieses Ritual ausführen. Das gleiche Bild zeigt sich auch in Rumänien. In unserem zweiten Teil über die Tradition der Klageweiber zeigen wir, wie hier der Totenkult gefeiert wird.

Was genau ist ein Klageweib?

Als Klageweib werden Frauen bezeichnet, die gegen Bezahlung auf Beerdigungen um den Verstorbenen trauern und währenddessen die rituelle Totenklage ausüben. Der Beruf des Klageweibs hat eine jahrtausendelange Geschichte in Asien, Afrika, Nahost und großen Teilen Südeuropas und ist weitgehend ausgestorben. Ursprünglich soll das rituelle Wehklagen sowohl in christlichen als auch in muslimischen Gruppen zur Abwehr des Totengeists beitragen.

Und auch in Rumänien sind diese “professionellen Trauergäste” so gut wie nicht mehr zu finden, wie in einem Artikel in der vice 2019 beschrieben ist. Im Norden des Landes in einem kleinen Dorf namens Romuli ist der Autor dennoch fündig geworden: Dort leben drei betagte Frauen, die dem Wandel trotzen und an Beerdigungen Todesklänge anstimmen und um Fremde trauern. Allerdings, so erklärt es der Autor, würden die rumänischen Frauen für ihre Tätigkeit nicht bezahlt. Orientierung für die Klagelieder bietet den Frauen ein altes Buch: darin “100 Versen für die Toten”, wie der Titel verspricht. Eine Tonspur im Artikel zeigt, wie die vorgetragenen Lieder wirken: Schwermütig, traurig, tragend.

Klageweiber wollen Menschen in ihrer Trauer vereinen

Wie der Auto verdeutlicht, sehen die drei Frauen ihre Rolle als Klageweib darin, die Menschen durch die öffentliche Klage einander näher zu bringen. Durch ihre Hilfe spürten Angehörige, dass sie mit der Trauer nicht alleine seien. Ihrer Schilderung nach nehme so die Gemeinschaft Anteil daran. Corina Bejinnariu, Leiterin des Museums für Kunst und Geschichte in Zalau im Norden Rumäniens, teilt diese Ansicht. Sie lässt sich wie folgt zitieren:

“Klageweiber können das öffentliche Trauern normalisieren”

Der Trauerprozess könne so seinen Lauf nehmen. Ihrer Ansicht nach würden die meisten Menschen die Trauer und das Leid für sich behalten und dieses Gefühl somit verschlimmern. Die öffentliche Klage nehme dem Tod die Tabuisierung.

Andere Länder, andere Sitten: So wird der Tod zelebriert

Der Totenkult nimmt in anderen Kulturen ebenfalls außergewöhnliche Züge an. In Indonesien lebt beispielsweise der Tote noch jahrelang mit der Familie zusammen, bis er bestattet wird. Und weitere Themen zu internationalen Todesritualen gibt es hier:

Titelbild: © Song_about_summer/stockAdobe.com

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