Das Flugzeug als Technologie mit Risiko: Nur fliegen ist schöner … oder?

Flugzeug

Es sind tragische Flugzeugabstürze wie diese, die im Gedächtnis bleiben: Als 2009 ein Airbus der Air France mit 228 Menschen an Bord auf dem Weg von Brasilien nach Paris abstürzt. Als 2015 ein Pilot seine vollbesetzte Germanwings-Maschine durch einen erweiterten Suizid zum Absturz bringt. Oder als 2007 eine Boing der Kenya Airways kurz nach dem Start zerschellt und alle Insassen sterben. Solche Katastrophen sind zwar die traurige Ausnahme, treiben aber trotzdem vielen Passagieren den Angstschweiß auf die Stirn, sobald sie ans Fliegen denken. Gleichwohl das Fliegen sehr sicher ist, ist die Frage: Welche Risiken bleiben?

Rund 47 Millionen Flüge gibt es jährlich weltweit

Rund 46,8 Millionen Flüge gab es 2019 weltweit, das entspricht mehr als vier Milliarden Menschen, die das Flugzeug als Transportmittel nutzen. Bis zum Beginn der Pandemie ist die Zahl der Flüge stetig gestiegen – 2020 schrumpfte sie auf 22 Millionen. Umgerechnet kommt es bei einer Millionen Starts zu einem Unfall. Ein geringes Risiko, wie auch Wissenschaftler stetig betonen. Die meisten Unfälle – nicht nur mit Todesfolge – geschehen in den USA: 861 Mal ereigneten sich zwischen 1945 und 2021 laut statista Flugzeugunfälle. In Deutschland liegt die Zahl deutlich darunter: 61 Mal kam es zu Unglücken.

Um die Sicherheit im Flugverkehr zu gewährleisten, gibt es ein strenges Kontrollnetz. „Das meiste bekommt der Passagier gar nicht mit”, erklärt Pilot und Psychologe Dr. Gerhard Fahnenbruck in der Sendung Planet Wissen. Dennoch bleibt auch im akribisch kontrollierten Flugverkehr ein Restrisiko, das tödliche Folgen haben kann: Wetter, menschliche Fehler, technische Probleme. Umso wichtiger ist die Überwachung aller Vorgänge. Als weitere Sicherheitsvorkehrung sind alle wichtigen Steuer- und Navigationssysteme in Flugzeugen mindestens doppelt vorhanden und funktionieren unabhängig voneinander.

Bei der Kontrolle gilt das “Triple Check” Prinzip

Bevor das Flugzeug überhaupt abheben darf, muss es einigen Überprüfungen standhalten: Zunächst folgt der “Outside-Check” auf äußere Mängel, das gleiche geschieht im Inneren des Cockpits. In jedem Fall gilt das Prinzip “Triple Check”, also eine dreifache Kontrolle. Im Notfall wechseln Techniker die Reifen aus oder ersetzen die Bremsen. Tiefer gehende Kontrollen folgen im zwei bis fünf-Monats-Rhythmus. Flugzeug werden zudem alle sechs bis zehn Jahre grundüberholt. Jede Fluggesellschaft ist daher verpflichtet, sich bei ihrer zuständigen Luftfahrtbehörde ein Instandhaltungsprogramm genehmigen zu lassen. In Deutschland verantwortlich ist das Luftfahrt-Bundesamt. Abhängig von den jeweiligen Flugmustern der Maschine fallen die Sicherheitschecks zu unterschiedlichen Zeitpunkten an.

Obwohl die Sicherheitsvorkehrungen im Flugverkehr bereits sehr streng sind, sieht ein amerikanisches Forschungsunternehmen im Sitzbereich der Passagiere noch Verbesserungspotenzial. Demnach liegen die Schwachstellen direkt vor und hinter den Tragflächen. Also genau dort, wo im Falle eines Absturzes der Flugkörper häufig auseinander bricht. Anstatt einer Sitzreihe empfiehlt das Unternehmen, an der Stelle Toiletten oder Gänge zu errichten. Aus wirtschaftlichen Gründen ist für Fluggesellschaften eine solche Maßnahme aber unattraktiv: Weniger Sitze bedeuten weniger Einnahmen.

So hebt ein tonnenschweres Flugzeug ab

Dass ein Flugzeug mit rund 560 Tonnen überhaupt fliegen kann, erscheint im ersten Moment erstaunlich. Der Grund liegt im gekrümmten Profil der Tragflächen. Der Flügel eines Flugzeugs ist so geformt, dass die Luft auf der gewölbten Oberseite viel schneller strömt als auf der Unterseite. Dadurch bildet sich über dem Flügel ein starker Sog nach oben. Flugzeuge “haften” sozusagen an der Luft über ihnen – sofern sie mit der erforderlichen Geschwindigkeit unterwegs sind und der Auftrieb stark genug ist.

Dieses Zusammenspiel ermöglichen vier physikalische Kräfte: Die Schwerkraft zieht das Flugzeug nach unten, der Auftrieb wirkt nach oben und hält das Flugzeug in der Luft. Der Vortrieb bewegt das Flugzeug vorwärts und der Widerstand bremst es. Erst wenn der Auftrieb größer als die Schwerkraft ist, hebt das Flugzeug ab. Den dazu notwendigen Vortrieb erzeugen Propeller oder Düsentriebwerke.

Das Wetter als Risikofaktor beim Fliegen

Sobald das physikalische Verhältnis gestört ist, können schwere Unfälle die Folge sein. Bei rund der Hälfte aller tödlichen Flugunfällen waren extreme Wetterlagen wie Turbulenzen, Gewitter und Nebel die Ursache. Besonders Vereisungen des Flugzeugs können das Flugverhalten empfindlich beeinflussen. Unter anderem ist der Auftrieb gestört, Widerstand und Gewicht nehmen zu und die Überziehgeschwindigkeit erhöht sich. Ebenso besteht das Risiko, dass Ruder- und Steuerelemente einfrieren. 1982 ereignete sich in Washington ein schweres Flugzeugunglück, weil die Piloten die Gefahren einer vereisten Maschine ignorierten.

Um Unglücke wie diese zu verhindern, versuchen sowohl Piloten als auch Fluglotsen mit Hilfe von Sensoren wie Radar und Satelliten Gewitterzellen und ihre Entwicklung so genau wie möglich vorherzusehen.

Psychische Stütze auch für Piloten und Bordcrew

Flugzeugabstürze hinterlassen nicht nur bei Angehörigen tiefe seelische Schäden, sondern lassen auch Piloten und die Bordcrew nicht unberührt. Psychologische Hilfestellung soll in diesen Fällen helfen, das Trauma zu verarbeiten und auch die Leistungsfähigkeit der Bordcrew zu gewährleisten. Denn, so erklärt es Pilot Fahnenbruck, “sobald das Stresslevel zu hoch ist, bricht die Leistung irgendwann zusammen”. Kommen Pilot und Bordbesatzung schon gestresst in die Arbeit, könne es in Risikosituationen zu lebensgefährlichen Reaktion führen.

Umso wichtiger ist es, schon bei der Auswahl der Piloten und Fluglotsen strenge Auswahlkriterien zu erlassen. Das Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin (DLR) prüft Bewerber deshalb sehr streng. Unter anderem sind gute Englischkenntnisse, Räumliches Vorstellungsvermögen sowie Merkfähigkeit und Teamarbeit wichtig.

Flugangstseminare sollen Betroffenen helfen

Für Menschen, die trotz der rationaler Risikoabwägung Schweißausbrüche und Panik im Flugzeug bekommen, gibt es spezielle Flugangstseminare. Fast jeder dritte Mensch auf der Welt leidet unter Aviophobie. Durch das Seminar sollen Teilnehmer lernen, ihre irrationalen Ängste zu kontrollieren und das Fliegen ein Stück weit genießen zu können. Im Kreis von Leidensgenossen sinkt die Scham, sich offen über seine Unsicherheiten auszutauschen. Psychologen helfen während des Gesprächs, die Wurzel der Probleme zu erkennen und zu behandeln.

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Titelbild: © JenkoAtaman/stockAdobe.com

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