Traumhafte Nächte: Was sind die häufigsten Traummotive?

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ast ein Drittel seiner gesamten Lebenszeit verbringt der Mensch schlafend. Das Gehirn verbringt diese Zeit nicht im Ruhezustand, sondern verarbeitet am Tag aufgenommene Informationen, festigt wichtige Erinnerungen und vergisst Unnötiges. Ein Nebenprodukt dieses Arbeitsprozesses sind Träume. Obwohl sich diese visuellen Erzeugnisse des menschlichen Denkapparats oft unrealistisch, sinnlos oder gar völlig absurd anfühlen, sind sich Psychologen und Psychotherapeuten einig: Es ist sinnvoll, sich aktiv mit seinen Träumen auseinanderzusetzen, da sie Aufschluss über unbewusste Gedanken, verdrängte Probleme oder innere Konflikte liefern können. Aber wie lassen sich gewisse Traummotive interpretieren? Und gibt es Traumsituationen, in denen sich jeder schon einmal befunden hat? Wir stellen im zweiten Teil der Serie weitere Traummotive vor und entschlüsseln ihre Bedeutung.

Wie hältst du‘s mit der Interpretation?

Träume sind etwas sehr Persönliches. Sie können nur von einer Person erlebt werden und beziehen sich auf ihr tiefstes Innere. Daher können sie in der Regel auch nur vom Träumenden selbst entschlüsselt werden. Traumforscher konnten jedoch auch das Auftreten sogenannter universeller Träume feststellen. Hierbei handelt es sich um Traummotive, die unabhängig vom Menschen oder dessen Lebensraum häufiger vorkommen und eine sehr hohe Ähnlichkeit zueinander aufweisen. Während einige von bedeutungslosen Zufällen ausgehen, sind sich viele Forscher einig, es handle sich hierbei um universell auftretende Konflikte, die sich laut GeoKompakt wie folgt in den Träumen manifestieren:

Verfolgung

Egal ob vor einem deutlich sichtbaren, grauenerregenden Monster oder vor einer unbekannten Gefahr in der Dunkelheit: Fast jeder wurde in seinen Träumen bereits von etwas Unangenehmen verfolgt. Panisch versucht der Gejagte der Bedrohung zu entkommen, aber landet entweder in einer Sackgasse oder bewegt sich beim Sprinten kaum von der Stelle. Diese Träume, aus denen Betroffene mitunter schweißgebadet erwachen, könnten als evolutionsbedingte Rückstände einer früheren Zeit betrachtet werden – als der Mensch noch nicht an der Spitze der Nahrungskette stand. Psychologen sehen darin aber auch die Auseinandersetzung mit unangenehmen Problemen oder Konflikten, die der Träumende zu verdrängen versucht. Gibt es Aspekte der eigenen Persönlichkeit, mit denen sich die Schafenden nicht beschäftigen wollen, kann sich dies ebenfalls in einem solchen Traum manifestieren.

Fallen

Ein Traum vom Fallen, gefolgt von einem Zusammenzucken beim Erwachen. Dieses Gefühl kann einen körperlichen Auslöser haben: Während des Einschlafens fällt der Blutdruck. Das Gehirn erzeugt eine visuelle Reaktion darauf. Andererseits kann der Ursprung auch in der Psyche liegen. Es ist die vom Gehirn filmreif inszenierte Angst, etwas im Leben nicht unter Kontrolle zu haben. Worum genau es sich dabei handelt, muss ein jeder selbst interpretieren.

Nacktheit

Obwohl es sich nur um einen Traum handelt: Das unangenehme Schamgefühl in der Öffentlichkeit, vor Fremden oder vor Freunden plötzlich nackt zu sein, fühlt sich echt an. Auslöser für diesen Traum kann eine Phase der Verletzlichkeit sein. Betroffene sind unter Umständen gerade zu einem neuen Arbeitsplatz gewechselt oder sind frisch in einer Beziehung. Andernfalls kann auch ein Gefühl von mangelnder Wertschätzung oder Beachtung ein solches Traumszenario hervorrufen.

Prüfung

Die Schulzeit ist schon lange her. Trotzdem sitzen viele Menschen plötzlich völlig unvorbereitet vor einer Klausur – und zwar im Traum. Prüfungssituationen gehören ebenfalls zu den häufigsten Traummotiven. Dabei kann es sich um die verzweifelte Suche nach dem Prüfungsraum oder aber über einen unerwarteten Überraschungstest handeln. Manche befinden sich plötzlich im alten Gymnasium und müssen das Matheabitur wiederholen. Die Träumenden sind in ihrem Alltag oft starkem Druck ausgesetzt oder haben generell Angst, im Leben zu scheitern. Auch mangelndes Selbstvertrauen kann ein Auslöser sein.

Toilette

Ein gängiges Motiv, das in den verschiedensten Traumsituationen vorkommt, ist die Toilette. Die Sanitäranlagen sind häufig entweder völlig verschmutzt, unbrauchbar, nicht auffindbar oder bieten keine Privatsphäre. Mit dem nächtlichen Drang, das stille Örtchen tatsächlich zu besuchen, haben diese Träume allerdings selten etwas zu tun. Die Ursache liegt eher in Problemen, die der Träumende unbedingt loswerden will, er weiß jedoch nicht wie. Einen anderen Grund könnten Bedürfnisse sein, die Schlafende im Alltag – eventuell anderen zuliebe – unterdrücken.

Fliegen

Nicht alle universellen Träume sind unangenehm. Der Traum vom Fliegen ist ebenfalls weit verbreitet. Vogelfrei schwebt der Mensch durch die Lüfte und fühlt sich dabei leicht und unbeschwert. Personen, die diese Art von Traum haben, sind häufig auch tagsüber fröhlicher. Der psychologische Hintergrund könnte eine Bürde sein, die kürzlich abgelegt wurde.

Auch diese universellen Träume beziehen sich konkret auf das Leben des Träumenden. Eine allgemeine Dechiffrierung der Nachtfantasien ist daher nur bedingt möglich. Michael Schredl, Psychologe und Traumforscher erklärt im Interview mit dem Wissensmagazin Geo:

„Es gibt keine „Deutung“, die „stimmt“. Ich würde diese Begriffe nicht verwenden. Für mich liefern Träume schlicht Anregungen, im Wachzustand über etwas nachzudenken. Zwar kommt man meist nicht „über Nacht“ zu neuen Erkenntnissen. Aber wenn sich nach einiger Zeit das Gefühl einstellt, ich kann bestimmte Verhaltensmuster genauer erkennen, womöglich konstruktiv verändern – dann war die Traumarbeit erfolgreich.“

Titelbild: © Cubodeluz/stock.Adobe.com

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